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Röteln: Warum eine Impfung vor der Schwangerschaft wichtig ist

ams-Serie "Frauengesundheit" (10)

27.10.15 (ams). Stecken sich kleine Kinder mit Röteln an, verläuft die Infektion in den meisten Fällen harmlos. Steckt sich ein ungeborenes Kind über die Mutter damit an, kann es schwere körperliche Schäden davontragen. "Deshalb sollten vor allem Mädchen und Frauen vor einer möglichen Schwangerschaft gegen Röteln geimpft werden", sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband. Aber grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen geimpft sind, desto geringer wird das Risiko für Ungeborene. Denn nur, wenn auch die Jungen und Männer geimpft sind, wird die Übertragungskette der Röteln-Viren hinreichend unterbrochen. Jungen können dann ihre Mütter nicht mehr anstecken, Männer nicht ihre schwangeren Frauen. Über die eigene Familie hinaus helfen sie auch mit, andere Familien zu schützen. 

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Die Röteln-Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen - und zwar rasend schnell, meist übers Husten, Niesen oder Sprechen. Oft geschieht das völlig unbemerkt, denn: Die Ansteckungsgefahr besteht schon eine Woche vor und noch eine Woche nach dem Auftreten des typischen Hautausschlags mit kleinen hellroten Flecken, der im Gesicht beginnt und sich dann über den Körper ausbreitet. Oft zeigen sich diese Symptome nicht einmal bei den erkrankten Kindern, sodass Röteln schnell als Erkältungsbeschwerden missverstanden werden können. Haben sich Jugendliche oder Erwachsene angesteckt, verlaufen die Röteln meist schwerer. Es kann zu Komplikationen wie Bronchitis und Mittelohrentzündungen kommen, sehr selten zu Gehirnhaut- oder Herzmuskelentzündungen.

Gefährlich fürs ungeborene Kind

Besonders gefürchtet ist das Virus jedoch während einer Schwangerschaft. Gelangen die Viren über die schwangere Frau auf das ungeborene Kind, können sie die Organe des Kindes schwer schädigen (sogenannte Rötelnembryopathie). Oft handelt es sich um Schäden an Innenohr, Herz oder den Augen, seltener sind Organe wie Gehirn, Leber oder Milz betroffen. Findet der Viruskontakt in den ersten acht Wochen der Schwangerschaft statt, erleiden 90 Prozent der ungeborenen Kinder Schäden. Je weiter die Schwangerschaft vorangeschritten ist, desto seltener werden Schäden, doch gibt es sie auch dann. 15 bis 20 Prozent der ungeborenen Kinder sterben sogar an dieser Infektion. Überlebt das Kind, kann es wiederum selbst über Monate ansteckend bleiben.

Besonders Frauen mit Kinderwunsch sollten vor der Schwangerschaft prüfen, ob ihr Impfschutz ausreicht. Zwar kontrolliert der Frauenarzt bei der Schwangerenvorsorge den Schutz. Fehlt der Impfschutz, lässt sich dies jedoch für diese Schwangerschaft nicht mehr nachholen. Durch die 1974 eingeführte Röteln-Impfung gibt es mittlerweile viel weniger Neugeborene, die durch Röteln-Viren schwer krank zur Welt kommen. Doch zeigte sich auch: Die Impfung von Mädchen und Frauen ist wichtig vor allem in Hinblick auf spätere Schwangerschaften. Aber sie allein reicht nicht aus. Denn: Erst wenn 90 Prozent aller Mädchen und Jungen zwei Mal geimpft sind, lässt sich eine Infektion für Schwangere ausschließen. Diese Impfrate ist in Deutschland aber insbesondere mit der zweiten Impfung noch nicht erreicht. Die zweimalige Impfung wird als Kombinationsimpfung Masern-Mumps-Röteln (MMR-Impfung) verabreicht. Die AOK bezahlt die MMR-Impfung für ihre Versicherten.

Impfung in den ersten beiden Lebensjahren

Bei Kindern sollte die Röteln-Impfung in den ersten beiden Lebensjahren erfolgen, die erste im Alter von elf bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten. Bislang ungeimpfte Kinder und Jugendliche sollten die Impfung so schnell wie möglich mit zwei Impfdosen nachholen. Bei Frauen mit Kinderwunsch sollten möglichst drei Monate zwischen Impfung und Schwangerschaft liegen. Besonders oft fehlt die zweite Röteln-Impfung, sodass der Impfschutz bei den Betroffenen nicht vollständig ist: Nur die zweite Impfung erzeugt einen Schutz von 99 Prozent. Im Zuge der immer wieder aufkommenden Debatte um Schaden und Nutzen von Impfungen belegen aktuelle Studien, dass das Risiko von Impfschäden extrem gering ist. Dafür ist der Gewinn für ungeborene Kinder umso größer.

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