Betriebliches Gesundheitsmanagement nützt Mitarbeitern und Betrieben
Serie "Gesund im Beruf" (8)
24.08.10 (ams). Ältere Arbeitnehmer sind weniger, dafür aber länger krank als jüngere: Das hat der Fehlzeiten-Report 2010 gezeigt, den das Wissenschaftliche Institut der AOK zusammen mit der Universität Bielefeld herausgibt. Danach fehlten 30- bis 34-jährige Beschäftigte im vergangenen Jahr pro Arbeitsunfähigkeit durchschnittlich zehn Tage, während die 60- bis 64-Jährigen im Schnitt etwa 22 Tage ausfielen. "Betriebliches Gesundheitsmanagement kann dazu beitragen, Mitarbeitern zu ermöglichen, an ihrem Arbeitsplatz gesund älter zu werden", sagt Patricia Lück, Referentin für Betriebliche Gesundheitsförderung im AOK-Bundesverband.
Wie in der Gesamtbevölkerung in Deutschland steigt auch der Altersdurchschnitt in vielen Belegschaften. "Wenn langjährige Mitarbeiter aus gesundheitlichen Gründen lange ausfallen oder frühzeitig das Unternehmen verlassen, geht viel Kompetenz verloren", warnt Lück, "es lohnt sich daher, dieser Entwicklung durch Betriebliches Gesundheitsmanagement, kurz BGM, rechtzeitig vorzubeugen." Und das setzt bei allen Mitarbeitern an, nicht nur bei der Generation der über 50-Jährigen.
Beispiel eines Stahlbaubetriebes
Dass Firmen von einer gezielten generationenübergreifenden Zusammenarbeit profitieren können, zeigt das Beispiel eines mittelständischen Stahlbaubetriebes aus dem niedersächsischen Bersenbrück. Die Firma mit rund 170 Mitarbeitern begann 2005 mit dem Aufbau von BGM. Mit Unterstützung der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und der AOK Niedersachsen wurden auf Grundlage von Mitarbeiterbefragungen im Betrieb verschiedene Maßnahmen umgesetzt, mit denen etwa die Führung, die Kommunikation sowie die Förderung älterer Beschäftigter verbessert werden sollte.
So wurden altersgemischte Teams gebildet, in denen Jung und Alt voneinander lernen können. Ein systematisches Fortbildungsmanagement erleichtert mittlerweile lebenslanges Lernen und erlaubt es Mitarbeitern jedes Alters, sich weiter zu entwickeln. Zudem schaffte der Betrieb technische Hilfsmittel an und verringerte dadurch Belastungen, die gerade den Älteren zu schaffen machten. Die Folge: Der Krankenstand, die Ausgaben für Krankengeld und die Zahl der Arbeitsunfälle sanken, die Motivation der Mitarbeiter nahm zu. Dadurch stieg auch die Produktivität des mittelständischen Unternehmens. "Bei der Einführung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements geht die AOK nach einem wissenschaftlich bewährten Konzept vor", erläutert BGM-Expertin Lück. Nach einer ausführlichen Beratung analysieren AOK-Fachleute sorgfältig die gesundheitliche Situation der Beschäftigten. Dafür werten sie beispielsweise Daten zur Arbeitsunfähigkeit aus, führen Mitarbeiterbefragungen durch oder unterstützen die Bildung eines Gesundheitszirkels.
AOK-Fachleute machen Vorschläge
Auf Grundlage der Ergebnisse legen AOK-Fachleute gemeinsam mit Führungskräften, Betriebs- und Personalräten und Beschäftigten Ziele fest und schlagen Maßnahmen vor. Dazu können Angebote zur Stressbewältigung, zum rückenfreundlichen Arbeiten und Schulungen für Führungskräfte gehören. "Außerdem unterstützt die Gesundheitskasse die Betriebe dabei, Arbeitsplätze gesundheitsgerecht einzurichten sowie die Arbeitsorganisation und den Informationsfluss zu verbessern", sagt Lück. So kann beispielsweise die Gestaltung von Arbeitszeiten und Dienstplänen optimiert werden. Um die Umsetzung der Ziele zu steuern, wird ein innerbetriebliches Gremium gebildet, ein sogenannter Arbeitskreis Gesundheit, in dem alle betrieblichen Gruppen – zum Beispiel die Personalabteilung, der Betriebsrat und der Betriebsarzt – gemeinsam das Vorgehen planen. Die Erfolge werden ständig kontrolliert und bewertet.
Mitarbeiter in den Prozess mit einbinden
"BGM ist nur erfolgreich, wenn die Mitarbeiter in den Prozess eingebunden sind", weiß Lück. Das kann durch Mitarbeiterbefragungen oder die Beteiligung der Beschäftigten an Gesundheitszirkeln geschehen. Voraussetzung für den Erfolg ist auch, dass die Unternehmensleitung und die Arbeitnehmervertretung sämtliche Maßnahmen aktiv mittragen. "Die AOK sieht ihre Rolle als Motor, der den Prozess ins Laufen bringt", erläutert Lück. So moderieren AOK-Fachleute den BGM-Prozess und schaffen eine kommunikative Basis, auf der die Betriebe weiterarbeiten können. Bei Bedarf ziehen sie weitere Experten hinzu.
Positive Erfahrungen
Dass der AOK-Service "Gesunde Unternehmen" Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen nützt, hat eine Befragung von 212 Unternehmen gezeigt, in denen die AOK BGM-Projekte umgesetzt hat. Die befragten Firmen gaben an, dass durch BGM Organisations- und Arbeitsabläufe optimiert, Belastungen für die Mitarbeiter abgebaut und die Kooperation der Belegschaft verbessert werden. Davon profitieren die Unternehmen auch wirtschaftlich: Unternehmen berichten, dass sich ihre Produktivität oder Kundenzufriedenheit erhöht hätten. Krankenstände konnten durch systematische Maßnahmen verringert und die Kosten für Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall reduziert werden.
Weitere Infos zur Betrieblichen Gesundheitsförderung.






