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Wer zahlt wie viel und wovon an seine Krankenkasse?

ams-Stichwort: Beitragspflichtige Einnahmen

Foto: Versichertenkkarte

09.05.18 (ams). Die Beiträge  zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sollen ab 2019 wieder vollständig paritätisch finanziert werden, also zu gleichen Teilen von GKV-Mitgliedern und Arbeitgebern. Das gilt auch für den Zusatzbeitrag, den die GKV-Mitglieder, in der Regel versicherte Arbeitnehmer, bisher alleine stemmen müssen. So steht es im Referentenentwurf für ein Gesetz zur Beitragsentlastung der Versicherten in der GKV (GKV-VEG). Für einen Beitragszahler mit durchschnittlichem Verdienst von etwa mehr als 3.000 Euro bedeutet das bei einem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von aktuell 1,0 Prozent eine Entlastung von etwas mehr als 15 Euro im Monat. Welche Einkommensanteile beitragspflichtig sind, ist abhängig vom Status des Versicherten.

Grundsätzlich ist zunächst einmal jeder abhängig Beschäftigte in Deutschland sozialversicherungspflichtig. Das heißt, er muss sich auch gesetzlich krankenversichern. Beitragspflichtig ist sein Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Das Bundeskabinett legt die Grenze jährlich im Herbst per Rechtsverordnung für das Folgejahr fest. Grundlage ist die Entwicklung der beitragspflichtigen Löhne und Gehälter aus dem Vorjahr. 2018 liegt die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung bei einem Bruttogehalt von 4.425 Euro monatlich (53.100 Euro pro Jahr). Wer mehr verdient, zahlt für das darüber liegende Gehalt keinen Krankenkassenbeitrag mehr.

Beitragsbemessung für freiwillig Versicherte und Rentner

Wer 2014 oberhalb der sogenannten Versicherungspflichtgrenze von 59.400 Euro jährlich verdient, muss sich nicht gesetzlich versichern, kann das aber. Für freiwillig Versicherte regelt der GKV-Spitzenverband die Beitragsbemessung in Paragraf zwei der "einheitlichen Grundsätze zur Beitragsbemessung für freiwillige Mitglieder". Für die Beitragsbemessung sind demnach "mindestens die Einnahmen zu berücksichtigen, die bei einem vergleichbaren versicherungspflichtig Beschäftigten der Beitragsbemessung zugrunde zu legen sind", also in der Regel das Arbeitseinkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Bis 2002 entsprach die Versicherungspflichtgrenze der Beitragsbemessungsgrenze. Mit Inkrafttreten des Beitragssatzsicherungsgesetzes am 1. Januar 2003 wurden diese beiden Grenzwerte aber entkoppelt.

Auch Rentner sind in der Regel gesetzlich krankenversichert. Unter zwei Bedingungen: erstens, wenn sie eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung bekommen beziehungsweise eine solche beantragt haben. Zweitens, wenn sie in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens mindestens 90 Prozent der Zeit gesetzlich versichert waren. Letzteres folgt dem Grundprinzip der Solidarität, um sicherzustellen, dass langjährig Privatversicherte wegen oft sehr hoher Versicherungsprämien im Alter nicht in die dann meist günstigere GKV wechseln.

Beitragspflichtig sind die gesetzliche Rente und vergleichbare Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten sowie Arbeitseinkommen zusätzlich zur Rente. Den Arbeitgeberanteil übernimmt für die gesetzliche Rente der jeweilige Rentenversicherungsträger. Die Beiträge auf weitere Versorgungsbezüge bringt der Rentner vollständig alleine auf. Seit dem 1. Juli 2011 sind auch aus dem Ausland bezogene Renten beitragspflichtig. Für alle Einkommen zusammen gerechnet gilt auch für Rentner die Beitragsbemessungsgrenze.

Arbeitslose, Künstler und Studenten

Arbeitslosengeld I (ALG I) unterliegt ebenfalls der Beitragspflicht. Die Bemessungsgrundlage liegt bei 80 Prozent des wöchentlichen Arbeitsentgelts, das der Berechnung des Arbeitslosengeldes zugrunde liegt. Den Arbeitgeberanteil übernimmt die Arbeitsagentur. Für Empfänger von ALG II (Hartz IV) zahlt der Bund eine monatliche Pauschale. Künstler und Publizisten können sich über die Künstlersozialkasse gesetzlich versichern und sind an der Beitragsaufbringung beteiligt. Der allgemeine Beitrag für die studentische Krankenversicherung wird vom Bundesgesundheitsministerium einheitlich für alle gesetzlichen Krankenkassen festgelegt. Seit dem 1. Januar 2018 beträgt er 66,33 Euro, hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag.

Erträge aus Zinsen und Vermietungen

Auf weitere Einkünfte wie Erträge aus Zinsen oder Vermietungen werden bei Arbeitnehmern und auch Rentnern keine Beiträge erhoben. Deshalb ist die Entwicklung der Löhne und Gehälter entscheidend für die Finanzlage der GKV insgesamt, aber auch für jede einzelne Kasse. Bis zum Start des Gesundheitsfonds 2009 hing davon maßgeblich die Höhe des jeweiligen Beitragssatzes ab. Denn je höher das durchschnittliche Einkommen der Beitragszahler einer Kasse ist, um so niedriger kann eine Kasse ihren Beitragssatz festgelegen, um ein bestimmtes Einnahmevolumen zu erzielen. Ist also das Durchschnittseinkommen der Beitragszahler von Kasse A doppelt so hoch wie das von Kasse B, kann Kasse A bei gleichem Finanzbedarf grundsätzlich einen halb so hohen Beitragssatz erheben.

Um solche Faktoren abzumildern, die nichts mit der Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen Versorgung zu tun haben, und einen Wettbewerb zwischen den Kassen um Gutverdiener unattraktiv zu machen, erfolgt über den Gesundheitsfonds ein Einkommensausgleich.


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