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Länderprofile der EU-Kommission liefern Denkanstöße für die Gesundheitspolitik

EU-Ticker

Foto: Abhorchen mit Stethoskop

15.12.17 (ams) Die EU-Kommission hat erstmals länderspezifische Gesundheitsprofile veröffentlicht. Die 28 Analysen sind unter anderem in Zusammenarbeit mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) entstanden. Die Profile liefern einen schnellen und verständlich aufbereiteten Überblick, wie es um die Gesundheitsversorgung in den einzelnen Ländern bestellt ist. Dabei geht es um Risikofaktoren für die Gesundheit, den Zugang zur medizinischen Versorgung oder die langfristige Finanzierung der Gesundheitssysteme.

Die gesundheitliche Situation der Menschen in Deutschland hat sich laut Bericht seit dem Jahr 2000 weiter verbessert. Das Gesundheitssystem biete einen großzügigen Leistungskatalog und einen guten Zugang zur Gesundheitsversorgung. Bei Ärzten und Pflegepersonal liegt die Bundesrepublik mit an der EU-Spitze. Der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandsprodukt weist mit 11,2 Prozent den höchsten Wert in der EU auf. Die Pro-Kopf-Ausgaben von 3.996 Euro (2015) liegen 43 Prozent über dem EU-Durchschnitt (2.797 Euro).

Kritisch bewerten die Autoren Überkapazitäten in der stationären Versorgung und Defizite bei der Zusammenarbeit zwischen den Versorgungsbereichen. Auch das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung kommt bei den Wissenschaftlern nicht gut an. Deutschland sei das einzige EU-Land, das höheren Einkommensgruppen, die zu einer besseren Gesundheit neigten, den Austritt aus dem Solidarsystem erlaube.

"Deutschland schneidet im EU-Vergleich grundsätzlich sehr gut ab“, sagt der Vertreter der AOK in Brüssel, Jan van Lente. „Leider spielen wir ausgerechnet in Sachen Versorgungsqualität nicht in der Spitzengruppe. Insofern ist der Bericht aus Brüssel ein Denkanstoß mit klarer Botschaft an die deutsche Politik: Ein Weiter-So in der Gesundheitspolitik ist gefährlich.“ Die Autoren des Berichtes empfehlen denn auch „tiefgreifende Reformen und eine starke politische Führung, die alle Interessen zusammenbringt".

Alternative Modelle gegen Mondpreise bei Arzneimitteln

15.12.17 (ams). Im Auftrag der Generaldirektion Gesundheit bei der EU-Kommission hat sich ein Gruppe von 14 Sachverständigen mit alternativen Vergütungsmodellen für neue innovative Arzneimittel in Europa beschäftigt. Aus Sicht der Experten sollte bei der Preisfindung immer der Nutzen berücksichtigt werden. Der zweite Anker sollten die tatsächlichen Kosten des Herstellers sein. Kritisch bewerten die Sachverständigen die beschleunigte Zulassung neuer Medikamente. Dadurch gebe es wenige Nachweise für Wirksamkeit und Sicherheit der Mittel. Deshalb müssten auch nach der Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) entsprechende Daten erhoben werden. In ihrem Gutachten sprechen sich die Wissenschaftler auch dafür aus, Produkte vom Markt zu nehmen, wenn sie den Erwartungen nicht entsprechen.

EU-Portal liefert Wissen gegen "Fake News"

15.12.17 (ams) Mit einem neuen Onlineportal will die EU mit Fehlinformationen, Vorurteilen und Mythen im Bereich der Gesundheitsförderung und Vorbeugung chronischer Krankheiten aufräumen. Das Wissensportal soll unabhängige, wissenschaftlich nachgewiesene Erkenntnisse liefern. Zum Start geht es um Themen wie Ballaststoffe, Proteine, Obst, Gemüse und Getränke. Thematisiert wird auch das auf Kinder und Jugendliche zugeschnittene Marketing der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Das zunächst englischsprachige Portal richtet sich in erster Linie an Fachleute und soll ständig erweitert und regelmäßig aktualisiert werden.

Europäischer Integrationspreis für Berliner Sportprojekt

15.12.17 (ams) Das von der AOK unterstützte Integrationsprojekt „Mitternachtssport“ hat den von der EU-Kommission gestifteten „Be Inclusive EU Sport Award“ gewonnen. Mit dem Preis zeichnet die EU Initiativen aus, die Sport erfolgreich zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts einsetzen. Der Berliner Verein holt Jugendliche von der Straße und lädt sie in den Wochenend-Nächten zum Sport in Schulturnhallen ein. Zehntausende Jugendliche aus rund 40 Nationen haben bereits von der Integrationsinitiative profitiert. Die AOK Nordost unterstützt den Verein weit über den Sport hinaus. So helfen Experten der AOK den Jugendlichen bei der Suche nach Berufspraktika, bieten Bewerbertrainings an und vermitteln Gesundheitswissen.


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