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Foto: Apotheker sucht Medikament

15.12.17 (ams) ... hat die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) 2016 für die Behandlung von über 60.000 HIV-Infizierten mit antiretroviralen Medikamenten ausgegeben. Mehr als jeden zweiten Euro der medikamentösen Therapie von GKV-Versicherten setzt die US-amerikanische Pharmafirma Gilead um. Der in Deutschland größte Anbieter für Medikamente gegen HIV-Erkrankungen halte mit pharmatypischen Schachzügen den Preiswettbewerb von Generika-Konkurrenten klein, kritisiert der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO, Helmut Schröder.

Umsatz-Spitzenreiter bei den HIV-Mitteln war im Jahr 2016 Truvada® von der Firma Gilead. Kurz vor Auslaufen des Patents hat Gilead den Wirkstoff Tenofovir geringfügig modifiziert und mit neuem Patentschutz unter dem Namen Descovy® ähnlich hochpreisig in den Handel gebracht. Gilead wirbt damit, dass Descovy® weniger Nebenwirkungen auf Nieren und Knochen habe. Doch der Gemeinsame Bundesausschuss konnte keinen Zusatznutzen für die Patienten feststellen.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat darüber hinaus eine Stellungnahme veröffentlicht, nach der die von Gilead durchgeführten Studien einen geringeren Schaden des neuen Produktes nicht belegen. Stattdessen weisen einige Ergebnisse darauf hin, dass es sogar mehr neurologische Nebenwirkungen verursacht. Die Preise für HIV-Arzneimittel haben sich laut WIdO in den letzten 30 Jahren versiebenfacht.


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