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EMA-Bewerbungen: EU-Kommission veröffentlicht Bewertungen

EU-Ticker

Foto: Arzneimittel mit Beipackzettel

18.10.2017 (ams). Die EU-Kommission hat die Bewertung der 19 Bewerbungen um die neuen Standorte der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) veröffentlicht. Dabei handelt es sich um kein Ranking. "Die Kommission hat nicht geprüft, ob die Angaben der Städte im einzelnen stimmen", erläutert der AOK-Europaexperte Jan van Lente. "Wer den Zuschlag erhält, muss aber dafür sorgen, dass alle in der Bewerbung enthaltenen Zusagen auch umgesetzt werden." In ihren Bewertungen hat die Kommission abgehakt, ob die wichtigen Hauptkriterien für den neuen Standort (Gebäude, Erreichbarkeit, Arbeits- und Lebensumfeld für die Familien) erfüllt werden. "Jede Bewertung enthält Hinweise auf fehlende Angaben oder andere Probleme. Deshalb fällt es schwer, Favoriten herauszulesen", sagt van Lente. Dagegen hat die EMA selbst inzwischen eine interne Bewertung veröffentlicht, nach der nur fünf Städte geeignet sind, einen kontinuierlichen Betrieb zu gewährleisten. Nach dem schnell in die Öffentlichkeit lancierten Ranking ist Amsterdam der Favorit, gefolgt von Barcelona, Wien, Mailand und Kopenhagen. Die deutsche EMA-Bewerberstadt Bonn kommt danach nur auf Platz 10. Am 20. Oktober beraten die Staats- und Regierungschefs über die Standortwahl. Deutschland ist mit Bonn für die EMA und Frankfurt für die EBA im Rennen. Die endgültige Entscheidung fällen dann die EU-Außenminister am 20. November in einem mehrstufigen Abstimmungsverfahren im Europäischen Rat für allgemeine Angelegenheiten.
 

Gesundheitsexperten warnen vor billigem Zucker

18.10.2017 (ams). Ende September ist mit der Zuckerquote die letzte landwirtschaftliche Quotenregelung der Europäischen Union ausgelaufen. Was EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan als große Chance für die europäischen Bauern wertet, versetzt Gesundheitspolitiker in Sorge. Denn Zucker dürfte durch den Wegfall der Quote noch billiger werden. "Billiger Zucker ist eine kaum abzuschätzende Gefahr für die Gesundheit", sagt Dr. Kai Kolpatzik. Der Präventionsexperte des AOK-Bundesverbandes fürchtet, dass die Lebensmittelindustrie bei sinkenden Preisen noch mehr Zucker als Geschmacksträger einsetzen wird. Gemeinsam mit Verbraucherverbänden und Kinderärzten fordert die AOK deshalb weiter eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung mit klaren Angaben zum Zuckergehalt. Der 1. Deutsche Zuckergipfel war Starschuss einer Kampagne zur Zuckerreduktion in Lebensmitteln.

Entscheidung über Glyphosat-Zulassung in der Schwebe

18.10.2017 (ams). Mitte Dezember läuft die befristete EU-Zulassung für das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat aus. Bei einem Treffen von Vertretern der 28 EU-Staaten und der Europäischen Kommission am 5. Oktober gab es keine Annäherung in der Frage, ob die Zulassung des Mittels verlängert werden soll. Ende Oktober findet ein weiteres Treffen statt. Deutschland hat sich in der Vergangenheit enthalten, da der CSU-Landwirtschaftsminister für die Zulassung, die SPD-Umweltministerin jedoch dagegen ist. Inzwischen setzt sich eine „Europäische Bürgerinitiative“ für das Verbot von Glyphosat ein. Die Initiative hat mit dem nötigen Quorum von einer Million Unterschriften aus mindestens sieben Ländern erreicht, dass sich das Europaparlament in einer öffentlichen Anhörung mit ihren Anliegen beschäftigen muss. Unterdessen wurde bekannt, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin in einem Gutachten zu Gesundheitsgefahren durch Glyphosat nahezu wortwörtlich Einschätzungen des Herstellers übernommen hat.
 

Zum ams-Politik 10/17