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Digitale Gesundheitsakte startet in zwei Pilotregionen

AOK-Gesundheitsnetzwerk

18.10.2017 (ams). In zwei Pilotregionen startet die AOK-Gemeinschaft ihr Gesundheitsnetzwerk zum Datenaustausch zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken. Kern ist eine digitale Akte, mit der sich medizinische Informationen und Dokumente jederzeit bereitstellen und abrufen lassen. "Unser Ziel ist ein bundesweites Angebot für die AOK-Versicherten, das regional verschieden ausgestaltet wird", sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch, bei der Präsentation des Gesundheitsnetzwerks in Berlin. Den Auftakt macht Mecklenburg-Vorpommern.

Mancher kennt das: Verlässt man nach einer Operation das Krankenhaus und soll sich anschließend beim Hausarzt vorstellen, dann kann es sein, dass man eine dicke Mappe mit Befunden, Röntgenbildern, Medikationsplänen und mehr mit in die Praxis schleppt. Bequem ist das nicht - und effizient sicher auch nicht.

Abhilfe verspricht die Digitalisierung, genauer gesagt der elektronische Datenaustausch zwischen Patienten, Ärzten und Kliniken. Der freilich kommt in Deutschland nur schleppend in Gang. Einen großen Schritt will die AOK-­Gemeinschaft deshalb mit ihrem digitalen Gesundheitsnetzwerk machen. Mit zwei Piloten soll das Vorhaben in Kürze in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin beginnen.

Datenaustausch für optimale Behandlung des Patienten

Im Kern werden Patienten, niedergelassene Ärzte und Kliniken miteinander vernetzt und können medizinische Informationen austauschen. Das Netzwerk bietet eine digitale Akte. In dieser können teilnehmende Patienten ihre vom Arzt in Praxis oder Klinik bereitgestellten Informationen jederzeit einsehen und anderen Ärzten zur Verfügung stellen. "Der sektorenübergreifende Austausch soll die optimale Behandlung der Patienten unterstützen und zu mehr Patientensicherheit führen", sagte AOK-Chef Litsch.

Das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern startet im November mit zwei Kliniken und dem Ärztenetz "HaffNet". Etwa 8.000 AOK-Versicherten stehen im Gesundheitsnetzwerk zunächst vier Anwendungen zur Verfügung: das Aufnahme- und Entlassmanagement in den beteiligten Kliniken, der Austausch von Dokumenten zwischen Kliniken und niedergelassenen Ärzten, die Möglichkeit zum Hochladen eigener Dokumente sowie die Option, selbst erhobene Vitaldaten und Messwerte in die eigene Akte einfließen zu lassen und behandelnden Ärzten zur Verfügung zu stellen.

Zum Jahreswechsel folgt der nächste Schritt: Gemeinsam mit der privaten Sana Kliniken AG und dem kommunalen Klinikkonzern Vivantes startet das AOK-Netzwerk dann in Berlin in die Pilotphase. Beteiligt sind neun Kliniken und 13 Medizinische Versorgungszentren von Vivantes sowie das Sana-Klinikum Lichtenberg. Zusammen versorgen sie jährlich etwa 114.000 AOK-Versicherte, die künftig die digitale Akte nutzen können.

Vivantes habe schon vor über drei Jahren begonnen, seine IT-Architektur zu modernisieren und die digitale Zusammenarbeit mit Dritten voranzutreiben, sagte Dr. Andrea Grebe, Vorsitzende der Geschäftsführung des Klinikverbundes. Die bei Vivantes etablierte Infrastruktur basiere auf der gleichen Methodik wie das AOK-Netzwerk und ermögliche somit die Vernetzung. Mit der Digitalisierung erhielten Patienten mehr Einblick in ihre Gesundheitsdaten. "Sie werden damit auch in die Lage versetzt, noch stärker als bisher über Behandlungsoptionen mit zu entscheiden." Auch die Sana Kliniken AG hat bereits digitale Konzepte getestet und umgesetzt. Als deutschlandweiter Partner wolle die private Klinikgruppe bei der Erweiterung des Netzwerkes in andere Regionen mitwirken,  betonte Vorstand Dr. Jens Schick: "Wichtig ist uns, dass es sich um ein offenes Netzwerk handelt, an das weitere Akteure angebunden werden können."

"Ökosysteme statt Monokultur" in der Digitalisierung

Die AOK verfolge bei der Umsetzung ihres Netzwerkes keinen zentralen Ansatz wie bei der gematik, betonte AOK-Chef Litsch. "Wir brauchen Ökosysteme statt Monokultur." Je nach regionaler Situation könnten unterschiedliche Anwendungen mit verschiedenen Partnern umgesetzt werden. Diese Lösungen ließen sich aber jederzeit an die Telematik-Infrastruktur "andocken".

Besonderes Merkmal des AOK-Netzwerkes sei die dezentrale Datenhaltung, die vor Datendiebstahl schütze, sagte Christian Klose, AOK-Projektleiter für das Gesundheitsnetzwerk. "Die Daten bleiben bei dem Arzt oder bei der Klinik, wo sie jeweils erhoben werden." Die AOK habe keinen Zugriff darauf. Der Patient entscheide, welcher Arzt und welche Klinik welche Informationen einsehen dürfe. "Die Datenhoheit liegt beim Patienten."

Bei gesetzlich Versicherten stößt die Idee der digitalen Gesundheitsakte auf Zustimmung, wie aus einer YouGov-Umfrage für den AOK-Bundesverband hervorgeht. Danach halten es 82 Prozent der befragten Versicherten für sinnvoll, dass medizinische Daten in einer solchen Akte gespeichert werden, sodass Ärzte und Kliniken sie abrufen und sich einen Überblick über den Gesundheitszustand verschaffen können. 78 Prozent würden eine solche Akte selber nutzen.

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