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„Es besteht kein Zweifel, dass in einem Fach wie der Chirurgie ...

ams-Zitat: Prof. Dr. Hartwig Bauer, ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, bei der Präsentation des Krankenhaus-Reports 2017

Foto: Hartwig Bauer

Hartwig Bauer

18.05.17 (ams) ... handwerkliche Geschicklichkeit mit dem hier besonders relevanten 'Übung-macht-den-Meister-Prinzip' gefragt ist. Die nötige Lernkurve ist allerdings nicht im Rahmen von Richtzahlen während der Weiterbildung zu erreichen. Deshalb ist eine häufig vorgeschobene Argumentation, auf eine Leistungserbringung auch unterhalb der Mindestmengen könne aus Weiterbildungsgründen nicht verzichtet werden, nicht zu akzeptieren. In dem Bemühen, die Qualität chirurgischer Arbeit quantitativ zu messen, wurde das sogenannte eingriffsspezifische Volumen definiert. Es wird kalkuliert als Quotient aus der Anzahl der von einem Chirurgen vorgenommenen definierten Eingriffe und der Zahl aller seiner Operationen. Der Spezialisierungsgrad im Sinne des eingriffsspezifischen Volumens schwankt bei verschiedenen Indikatoroperationen zum Teil erheblich. Das Sterberisiko wird durch die Spezialisierung stärker gesenkt als durch das Operationsvolumen des Chirurgen. Die Erfahrung des Chirurgen zeigt sich in kürzeren Operationszeiten und geringeren Komplikationsraten. [...] Mindestfallzahlen, Spezialisierung und Zentralisierung tragen dazu bei, die Patientensicherheit und die Behandlungsqualität sicherzustellen beziehungsweise zu erhöhen. Die Festlegung von Mindestmengen bleibt dabei ein normativer Akt, der sich nicht nur an Referenzwerten aus der externen Qualitätssicherung, sondern auch an einer dadurch ausgelösten und gewollten Versorgungssteuerung zu orientieren hat. Was im Sinne einer effektiven Versorgungssteuerung fehlt, ist die Vorgabe eines Ordnungsrahmens durch die gemeinsame Selbstverwaltung für die Strukturierung  derartiger Zentren und ihre Zertifizierung, der strikter als bisher zu kontrollieren und auch zu sanktionieren ist."

Hinweis:

Am 31. Mai 2017 diskutieren auf der Veranstaltung "AOK im Dialog" Experten aus Politik und Medizin über die Notwendigkeit von Mindestmengen bei planbaren Operationen.


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