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Wie managt die AOK eigentlich Behandlungsfehler, Frau Junghans?

ams-nachgefragt: Nora Junghans, Rechtsanwältin im AOK-Bundesverband

Foto: Nora Junghans

Nora Junghans

18.05.17 (ams). "Die AOK bietet ihren Versicherten ein professionelles Behandlungsfehlermanagement. Spezialisierte und erfahrene Mitarbeiter der AOK-Serviceteams helfen vertraulich dabei, einen Verdacht auf mögliche Behandlungs- oder Pflegefehler zu klären. Am Anfang der individuellen Beratung steht in der Regel ein Gespräch, bei dem der Patient seinen Fall schildert. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Fehler, kann die AOK auf Wunsch des Versicherten die Behandlungsunterlagen einholen und eine Stellungnahme veranlassen. Dazu müssen die Betroffenen grundsätzlich eine Schweigepflicht-Entbindungserklärung und eine Herausgabegenehmigung erteilen. Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn eine medizinische Maßnahme gegen medizinisch wissenschaftliche Standards verstößt und die gebotene Sorgfalt vermissen lässt. Dann wird geprüft, ob der Schaden, den der Patient erlitten hat, durch den Fehler kausal, also unmittelbar, verursacht worden ist. Aufträge der AOK zur medizinischen Prüfung der Behandlungsabläufe gehen überwiegend an den MDK, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung.

Die AOK-Experten prüfen die medizinischen Bewertungen und geben ihren Versicherten Hinweise zu möglichen weiteren Handlungsoptionen. Zudem unterstützt die AOK ihre Versicherten auch dabei, Schadenersatzansprüche geltend zu machen, etwa oft mit ergänzenden medizinischen Stellungnahmen bei Verhandlungen mit Haftpflichtversicherungen oder im Rechtsstreit. Anwalts- und Prozesskosten kann die AOK jedoch nicht übernehmen. Gesetzlich Versicherten entstehen durch die medizinische Begutachtung grundsätzlich keine zusätzlichen Kosten.

Mehr als 4.700 Aufträge für fachliche Stellungnahmen erteilen die Serviceteams jährlich bundesweit, um den Verdacht auf einen Behandlungs- oder Pflegefehler zu prüfen. Über 14.000 AOK-Versicherte nehmen die kompetente Beratung des Behandlungsfehler-Managements jedes Jahr in Anspruch. In zirka einem Viertel der Fälle bestätigte der MDK Behandlungs- oder Pflegefehler bei AOK-Versicherten. Seit Verabschiedung des Patientenrechtegesetzes 2013 sollen die Krankenkassen ihre Versicherten bei der Verfolgung von Schadenersatzansprüchen unterstützen, die aus Behandlungs- und Pfelgefehlern entstanden sind. Die AOK hat ihr Behandlungsfehlermanagement bereits im Jahr 2000 freiwillig in allen Bundesländern etabliert."


Zum ams-Politik 05/17