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Was bringt die Reform der Pflegeausbildung, Frau Szepan?

ams-nachgefragt: Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege im AOK-Bundesverband

Foto: Nadine-Michéle Szepan

Nadine-Michéle Szepan

"Wir als AOK erwarten mit einer Reform der Pflegeberufe einen deutlichen Entwicklungsschub in der Pflegeausbildung und in der pflegerischen Versorgung. Wichtige Bausteine hierfür sind in der Neuausrichtung des Ausbildungsgesetzes die Abkehr von der Lernfeldorientierung hin zu einer Kompetenzbasierung der Pflege, aber auch die neuen Bereiche Rehabilitation, Prävention und Beratung. Darüber hinaus wird auch die gesetzliche Normierung von Vorbehaltsaufgaben einen Qualitätsschub und Rechtssicherheit in der Versorgung nach sich ziehen und den Pflegeberuf aufwerten. Ziel des bisherigen Entwurfes eines Pflegeberufereformgesetzes war insbesondere, die Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Qualifikationsstufen sowie die Akademisierung – orientiert an internationalen Standards – auf den Weg zu bringen.

Die Diskussion um eine generalistische Berufsausbildung- und -bezeichnung, in der eine einheitliche Ausbildung durchlaufen wird und die in eine einheitliche Berufsbezeichnung mündet, oder ein integrierter Ansatz, also Spezialisierung auf Basis einer fundierten gemeinsamen Grundausbildung, ist keine neue Diskussion und nach diversen Modellvorhaben auch fachpolitisch entschieden worden. Aber es ist auch nicht nur eine fachpolitische, sondern im Wesentlichen eine berufspolitische Frage. Die haben Union und SPD jetzt beantwortet. Nach zweijähriger gemeinsamer Grundausbildung entscheiden die Auszubildenden künftig selbst: weiter generalistisch oder spezialisieren. Mit dem Pflegeberufe-Reformgesetz war auch intendiert, ein einheitliches Berufsbild analog dem internationalen Standard zu schaffen; das Ziel scheint auf den ersten Blick damit verfehlt. Die Frage, ob mit dem Kompromiss die horizontale berufliche Mobilität erreicht wird, ist noch nicht beantwortet.

Es bleibt abzuwarten, wie der politische Kompromiss in den Gesetzentwurf eingearbeitet wird und wie vor allem die damit verbundenen fachlichen Fragen – etwa unterschiedliche Vorbehaltsaufgaben, Kompetenzbasierung je Berufsbild, Akademisierung, aber auch sich daraus resultierende Finanzierungsfragen – beantwortet werden."


Zum ams-Politik 04/17