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GBA fördert gut zwei Dutzend Projekte von AOK und WidO

Innovationsfonds

Foto: Arzt mit Tablet

20.12.16 (ams). Woran kann man erkennen, dass die Wohn- und Versorgungssituation eines Patienten über kurz oder lang ins Pflegeheim führt? Lässt sich dieser Prozess verzögern oder gar stoppen? Das sind nur zwei Fragen, auf die ein Forschungsprojekt unter Beteiligung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Antworten finden will. Zwei weitere WIdO-Projekte beschäftigen sich mit der Sicherheit in der Arzneimittelversorgung. Insgesamt ist das WIdO an acht Projekten zur Versorgungsforschung beteiligt, die aus dem Innovationsfonds unterstützt werden.

Der Innovationsausschuss des GBA ist für die Vergabe der Mittel verantwortlich. Der Ausschuss hatte die Qual der Wahl aus ursprünglich einmal fast 300 Antragsskizzen für potenziell förderungswürdige Projekte. Übrig geblieben sind am Ende 62 Projekte. Die Fördersumme für diese 62 Projekte beträgt insgesamt 75 Millionen Euro.

Schwerpunkt Arzneimittelsicherheit

Das erste Arzneimittel-Projekt des WIdO untersucht die Behandlungsergebnisse der Hausärztlichen Initiative zur Optimierung der Patientensicherheit bei Polypharmazie. Hintergrund: In Deutschland wenden etwa 36 Prozent der über 65-Jährigen und 42 Prozent der über 85-Jährigen mehr als fünf Arzneimittel gleichzeitig an. Nicht alle Medikamente vertragen sich miteinander. An dieser Stelle knüpft das zweite Arzneimittel-Projekt an. Es  geht der Frage nach, an welchen Merkmalen sich die Unverträglichkeit verschiedener Medikamente miteinander frühzeitig erkennen lässt.

Die weiteren Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit der Versorgung von Patienten, die an der Wirbelsäule operiert wurden. Es geht vor hier allen Dingen darum, auffällige regionale Unterschiede bei der Anzahl der Operationen zu erklären. Um die Ursachenforschung regionaler Unterschiede geht auch es bei der KARDIO-Studie. Allerdings untersucht das WIdO und seine Partner hier auch, wie durch einheitliche Behandlungspfade die Therapieentscheidung bei Koronarer Herzkrankheit (KHK) verbessert werden.

Ein weiteres Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit dem Thema: "Sektorenübergreifende Inanspruchnahme ambulanter Versorgungsstrukturen von Notaufnahmepatienten". Hintergrund: Nicht immer rufen Patienten in einem Notfall den Notarzt, sondern gehen direkt ins Krankenhaus. Das nächste Projekt widmet sich der medizinischen Versorgung von Menschen im Pflegeheim, deren Behandlung wegen mangelnder Mobilität, eingeschränkter kognitiver Fähigkeiten und Multimorbidität eine große Herausforderung. Hier will das Projekt durch eine Bestandsaufnahme für mehr Bedarfsgerechtigkeit sorgen.

Das fünfte schließlich analysiert "Gesundes Kinzigtal". Nach jetzt mittlerweile zehn Jahren ist das einstige Leuchtturmprojekt der populationsbezogenen Integrierten Versorgung in Deutschland fest etabliert in der ambulanten Versorgungslandschaft. "Gesundes Kinzigtal" umfasst einen Abschnitt des gleichnamigen Tales inklusive seiner Nebentäler in Baden-Württemberg. Die Region ist Teil des Ortenaukreises.

AOK punktet in fast allen Förderbereichen

Kurz vorher hatte der Innovationsausschuss des GBA bereits die Fördermittel für neue, innovative Versorgungsformen vergeben. Die gesamte Fördersumme liegt hier bei 225 Millionen Euro. 18 Projekte mit AOK-Beteiligung und einem Fördervolumen von 133 Millionen Euro, das allen Projektbeteiligten zu Gute kommt, erhielten den Zuschlag. "Das bestärkt uns in unserem Anliegen, die Versorgungslandschaft mit innovativen und vernetzten Projekten nach vorne zu bringen", unterstreicht Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die guten Ergebnisse müssten am Schluss auch sichtbar werden. „Wir wollen, dass aus diesen innovativen Projekten neue Versorgungsansätze mit Dauerstatus werden können.“

Die Mittel im Innovationsfonds werden zu 100 Prozent aus Beitragsgeldern der gesetzlichen Krankenversicherung gespeist. Die AOK-Gemeinschaft ist in fast allen Förderbereichen vertreten. Die Projekte verteilen sich auf die Themenbereiche "Ländliche Gebiete", "Telemedizin, Telematik und E-Health", "Arzneimitteltherapiesicherheit" und  "Pflegebedürftige" sowie auf das Gebiet der interdisziplinären, sektorenübergreifenden Versorgung.


Zum ams-Politik 12/16