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Agenturmeldung vom 02.03.2018, 05:45

Baden-Württemberg: AOK mahnt Änderungen beim Rettungsdienst im Südwesten an

Stuttgart (dpa/lsw) - Die AOK Baden-Württemberg verlangt eine Reform des Rettungsdiensts im Land. "Die Bearbeitung eines Notrufs sowie die Disposition der Rettungsfahrzeuge müssen in einer Minute ablaufen können", sagte ein Krankenkassensprecher in Stuttgart. Auch die Ausrückzeit der Fahrzeuge sei auf maximal zwei Minuten reduzierbar. Nach der Anmeldung eines Notfalltransports in der Klinik müsse dort das Aufnahmeteam bereitstehen und die Übergabe und Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft müsse innerhalb 15 Minuten erfolgen.

Nach Angaben des Innenministeriums erreichen die Rettungswagen im Schnitt nach rund sieben Minuten den Patienten. Aber nicht in allen Landesbereichen werden die zeitlichen Vorgaben des Rettungsdienstgesetzes eingehalten. Demnach sollen Notarzt und Rettungswagen in 95 Prozent der Einsätze in höchstens 15 Minuten am Notfallort eintreffen. Das Ministerium veranstaltet am Freitag ein Fachsymposium zur Zukunft des Rettungsdienstes im Südwesten.

Ressortchef Thomas Strobl (CDU) will ihn in maßgeblichen Punkten neu aufstellen. So ist unter anderem die Leitstellenstruktur in der Prüfung. Der AOK-Sprecher sagte, die Zahl der Notrufleitstellen sollte von 33 auf 12 oder sogar 8 reduziert werden. Jede Rettungsleitstelle sollte mindestens für eine Million Einwohner zuständig sein.

Strobl spricht sich zudem für eine Trennung von Notfallrettung und Krankentransporten aus. Diese Forderung wird von der AOK unterstützt. Patienten beklagen demnach oft stundenlange Wartezeiten, wenn sie zur Dialyse oder aus einer Klinik abgeholt werden müssen. Die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes im Land ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2012 wurden laut Ministerium noch 1,8 Millionen Einsätze gezählt. Im Jahr 2017 waren es schon 2,03 Millionen. Für das vergangene Jahr zeichne sich eine weitere Steigerung ab, wie ein Sprecher von Strobl mitteilte.

Nach Einschätzung der Fachleute wird der Rettungsdienst auch immer häufiger wegen Bagatellen gerufen. Die Schätzungen liegen zwischen 20 und mehr als 50 Prozent der Fälle, wie ein Sprecher vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) erklärte. "Wir haben beobachtet, dass die Verunsicherung bei den Patienten in den vergangenen Jahren gewachsen ist, vor allem wenn der Hausarzt nicht zu erreichen ist."

Matthias Helm, Leitender Arzt der Sektion Notfallmedizin vom Bundeswehrkrankenhaus in Ulm sagte: "Wenn heute einer hinfällt und sich den Finger bricht, ruft er gleich den Rettungswagen. Früher wäre man ins Krankenhaus gefahren." Helm sagte, die sogenannte Hilfefrist sei nicht das Maß aller Dinge. Die Wege seien auch länger geworden. Zum einem gibt es ihm zufolge weniger Kliniken und zum anderen nehmen nicht mehr so viele an der Notfallversorgung teil wie früher. Das DRK verwies darauf, dass es im Klinikbereich auch zu vermehrten Spezialisierungen gekommen sei.