vorlesen

Agenturmeldung vom 15.01.2018, 13:31

Schulessen wird gesünder - Kosten bremsen weitere Verbesserung

Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Traditionell können Schüler in Sachsen-Anhalt ein warmes Mittagessen bekommen. Seit einigen Jahren wird genauer hingeschaut, was auf den Tellern landet. Gesünder ist es geworden - aber Luft nach oben bleibt.

Magdeburg (dpa/sa) - Das warme Mittagessen in Schulen und Kitas in Sachsen-Anhalt ist laut einer Erhebung gesünder und ausgewogener geworden. Für noch größere Qualitätssprünge wären aber höhere Preise nötig, sagte die Projektleiterin der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung, Melanie Kahl, am Montag in Magdeburg. Nach Angaben von 351 Schulen kostet das Mittagessen durchschnittlich 2,52 Euro. 3,14 bis 4,24 Euro seien je nach Anbieter und Verpflegungsform nötig, damit alle Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfüllt werden könnten.

In den Kitas liege der durchschnittliche Preis für ein Mittagessen bei 2,22 Euro. Mehr als drei Euro wären dort nötig, sagte Kahl.

Verbessert habe sich zwischen 2012 und der jüngsten Erhebung 2016 der Anteil von Gemüse, Milch- und Milchprodukten. Zudem sei Fleisch reduziert worden - die Entwicklung müsse aber noch weitergehen, sagte Kahl. Steigerungsbedarf bestehe bei Vollkorn, Rohkost, Obst und Seefisch.

Die Ernährungsexperten hatten 80 Menülinien mit mehr als 400 Essen analysiert. Ihr Ergebnis: Während im Jahr 2012 noch durchschnittlich drei Kriterien erfüllt waren, seien es 2016 schon fünf gewesen, erläuterte Kahl. Zu den Kriterien gehört, wie oft bestimmte Lebensmittelgruppen auf dem Speiseplan stehen sollen.

Eine Vorgabe lautet beispielsweise, binnen vier Wochen sollte nicht mehr als acht Mal Fleisch vorkommen - das wird laut Erhebung mit 121 Prozent deutlich übererfüllt. Kahl stellt aber immer wieder fest, dass die Caterer sich zwar bewegen, Kritik aber von den Eltern kommt. "Fleisch ist nach wie vor für viele Eltern ein Gütekriterium."

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hob das flächendeckende Angebot für die Mittagsversorgung hervor. Vor allem im ländlichen Raum sei das wichtig, weil die Kinder weite Wege bewältigen müssen und oft lang aus dem Haus seien. Dass die Qualität besser wird, begrüßte sie. Es gehe darum, frühzeitig das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen zu beeinflussen. Kochen und Ernährung sollten stärker zu Bestandteilen des Unterrichts werden.

Die neue Erhebung zeigt, dass im Vergleich zu 2012 ein größerer Anteil von Kindergartenkindern und Schülern mittags dort isst. Die Entwicklung gelte für alle Schultypen, sagte Kahl. In den Grundschulen sei die Quote von 64 auf knapp 69 Prozent gestiegen, in den Sekundarschulen von 17 auf gut 22 Prozent und in den Gymnasien von 21 auf 30 Prozent. Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung, über das sozial schwache Familien Zuschüsse bekommen, scheine hier zu greifen. Überwiegend seien die Kinder auch zufrieden mit dem Essenangebot.

Die Untersuchung zeigt auch, dass das Mittagessen in nur wenigen Kitas und Schulen zubereitet wird, in der Regel kommt es fertig gekocht von einem externen Anbieter. Den Zahlen nach wird in 2,5 Prozent der Kitas selbst gekocht, 2012 seien es noch 10 Prozent gewesen, wie Kahl sagte. In den Schulen seien es aktuell rund sechs Prozent, zunehmend werde auch eine Zwischenverpflegung - vom belegten Brot bis zu Obst und Süßigkeiten - angeboten.

Noch deutlich "Luft nach oben" sieht Kahl beim Thema Getränke. In nur 46 Prozent der Schulen werde zum Mittagessen auch etwas zum Trinken gereicht. Dabei reiche schon Leitungswasser, sagte die Ernährungsexpertin. Nachholbedarf sehen die Fachleute zudem bei der Länge der Pausenzeiten und bei der Attraktivität der Essenräume, die sich oft in Kellern befänden.