Agenturmeldung vom 15.06.2017, 06:00

Smartphone-Apps fürs richtige Sprechen -zuviel ist schlecht

Mainz (dpa) - Smartphones und Tablets spielen auch in der Logopädie, der medizinischen Sprachheilkunde, eine immer wichtigere Rolle. Spezielle Apps etwa sollen Patienten beim Üben helfen. Allerdings sei die Zahl der deutschsprachigen Angebote noch sehr überschaubar, berichtete der Bundesverband für Logopädie zum Auftakt seines Jahreskongresses am Donnerstag in Mainz.

Dabei sehen die Logopäden klare Vorteile: Gerade Patienten, die jeden Tag Übungen praktizieren sollen, könnten Apps als Ergänzung zur Therapie in einer Praxis nutzen, erklärte Juliane Mühlhaus, Logopädin an der Technischen Universität in Dortmund. Davon profitieren könnten insbesondere ältere Patienten, die nicht mehr so mobil seien.

Zu den Risiken zählt Mühlhaus den Datenschutz. Es seien noch keine Standards entwickelt worden, um den Schutz der Patientendaten oder auch die Qualität und Bedienbarkeit der Angebote bewerten zu können. Auch solle die Digitalisierung in der Ausbildung zukünftiger Logopäden sowie bei der Fort- und Weiterbildung einen wichtigen Platz einnehmen.

Dietlinde Schrey-Dern, Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie, weist außerdem darauf hin, dass digitale Medien einen indirekten Einfluss auf den Spracherwerb von Kindern hätten. Sprachfähigkeit der Kinder entwickele sich im und durch den Dialog mit anderen, sagte Schrey-Dern. "Dabei können die neuen digitalen Medien durchaus stören, wenn dadurch die notwendige Kommunikation unterbunden oder stark reduziert wird."

Warte ein Vater zum Beispiel mit seinem Sohn an einer Bushaltestelle, solle er dem Kind erklären, was um sie herum passiere. Etwa: Da kommt der Bus, wir können einsteigen. "Wenn er stattdessen nur mit seinem Handy beschäftigt ist, fehlen solche Dialoge. Dies wirkt sich auf den Wortschatz des Kindes ebenso negativ aus wie auf seine sprachliche Entwicklung insgesamt", sagte Schrey-Dern.