Agenturmeldung vom 30.03.2017, 16:37

Kassenärzte verlangen mehr Geld für mehr Psychotherapieangebote

Die langen Wartezeiten auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten sollen abgebaut werden. Die Ausweitung des Angebotes kostet Geld. Schon streiten Ärzteschaft und Krankenkassen.

Berlin (dpa) - Die Kassenärzte haben den Krankenkassen vorgeworfen, die Ausweitung der Angebote für psychisch kranke Menschen nicht angemessen zu honorieren. Es handle sich um echte Verbesserungen für die Patienten. "Doch die Krankenkassen haben die Interessen ihrer eigenen Versicherten torpediert. Sie weigern sich, den Mehraufwand für die Psychotherapeuten adäquat zu finanzieren", kritisierte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, am Donnerstag in Berlin. "Die Krankenkassen leisten damit den Versicherten einen Bärendienst."

Von diesem Samstag an (1. April) müssen Psychotherapeuten pro Woche mindestens zwei Stunden für Sprechstunden zur Verfügung stehen. Zudem müssen sie 200 Minuten in der Woche am Telefon erreichbar sein. In der Sprechstunde kann geklärt werden, ob in dringenden Fällen eine sogenannte Akutbehandlung erforderlich ist. Dabei könne ohne ein langes Antragsverfahren mit der Krankenkasse rasch eine Behandlung des Patienten begonnen werden.

Darüber hinaus müssen die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen psychisch Kranken nötigenfalls Termine über ihre Terminservicestellen bei einem Psychotherapeuten vermitteln. Patienten benötigen dafür keine Überweisung. Die neuen Angebote sollen Patienten zeitnah einen leichteren Zugang ermöglichen und das Versorgungsangebot insgesamt flexibler machen.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hielt dem KBV-Chef entgegen, die Vergütungen der Sprechstunden und der Akutbehandlungen sowie weitere Neuregelungen führten zu zusätzlichen Einnahmen der Psychotherapeuten von etwa 100 Millionen Euro. Bei durchschnittlich 23 durchgeführten Therapiestunden pro Psychotherapeut pro Woche sei noch Luft nach oben. "Es ist bedauerlich, dass die KBV reflexhaft über zu wenig Geld jammert, nur weil die Beitragszahler über ihr nicht das Füllhorn ausschütten", erklärte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz.

KBV-Vize Stephan Hofmeister erklärte dagegen: "Die psychotherapeutischen Sprechstunden einzurichten, stellt einen hohen - nicht nur inhaltlichen, sondern auch administrativen - Mehraufwand dar, der zum Teil sogar mit der Einstellung von Praxispersonal verbunden ist. Das macht man nicht eben nebenbei, wie die Vertreter der Krankenkassen offenbar meinen."