Agenturmeldung vom 06.03.2017, 14:53

Gröhe: Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen weiter verbessert

Trotz aller Unkenrufe: Die anhaltend gute Konjunktur füllt auch die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung. Gesundheitsminister Gröhe muss im Wahljahr an dieser Front also wenig befürchten.

Berlin (dpa) - Die gesetzlichen Krankenkassen sind mit einem sehr guten Finanzpolster ins Wahljahr 2017 gegangen. Im Vorjahr erzielten sie einen Überschuss von rund 1,38 Milliarden Euro. Damit stiegen ihre Finanzreserven nach vorläufigen Zahlen auf mehr als 15,9 Milliarden Euro. Dies teilte das Gesundheitsministerium am Montag in Berlin offiziell mit. Ende 2016 betrug demnach die Gesamtreserve von Krankenkassen und Gesundheitsfonds zusammen 25 Milliarden Euro.

Die gute Finanzlage dürfte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gerade im Wahljahr entgegenkommen, zumal er den Kassen aus dem Gesundheitsfonds für dieses Jahr 1,5 Milliarden zusätzlich zugesichert hat. Gröhe hob hervor, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stehe weiterhin auf einer guten Grundlage. "Das zeigt, die Panikmache, mit der Versicherte verunsichert wurden, hat sich als falsch erwiesen."

Allerdings ist die Finanzsituation der einzelnen Kassen und Kassenarten sehr unterschiedlich. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen erzielten nach Ministeriumsangaben einen Überschuss von rund 935 Millionen Euro, die Ersatzkassen von 321 Millionen, die Betriebskrankenkassen von rund 29 Millionen Euro, die Knappschaft-Bahn-See von 100 Millionen Euro und die landwirtschaftliche Krankenversicherung von 34 Millionen Euro. Die Innungskrankenkassen wiesen ein Defizit von rund 33 Millionen Euro aus.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, argumentierte: "Es ist gut, dass die GKV-Finanzen im Durchschnitt besser sind, als dies noch im letzten Sommer zu erwarten war. Aber die erfreulich gute Finanzsituation darf nicht den Blick dafür trüben, dass wir Strukturreformen brauchen, um den dynamischen Ausgabenanstieg zu bremsen."

Insgesamt standen Einnahmen in Höhe von rund 224,15 Milliarden Euro Ausgaben von rund 222,77 Milliarden Euro gegenüber. 2015 hatten die Krankenkassen noch ein Defizit von 1,13 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Finanzergebnisse der Krankenkassen hätten sich damit im Vergleich zu 2015 um rund 2,5 Milliarden Euro verbessert, argumentierte das Ministerium.

Je Versicherten gab es 2016 einen Ausgabenanstieg von 3,3 Prozent. Dies sei der niedrigste Anstieg seit 2012. Der Gesundheitsfonds verzeichnete 2016 einen Ausgabenüberhang von rund 865 Millionen Euro. Die GKV profitiere wie die anderen Sozialversicherungen von der Lohn- und Beschäftigungsentwicklung. Auch die hohen Rentensteigerungen und der Anstieg des Bundeszuschusses hätten die Einnahmen begünstigt. Insgesamt verfügte der Gesundheitsfonds Ende 2016 über Reserven von 9,1 Milliarden Euro, wie das Ministerium mitteilte.

Die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen seien nach Zuwächsen von 9,4 Prozent je Versicherten in 2014 und 4,0 Prozent in 2015 im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent je Versicherten gestiegen. Die Ausgaben für die ärztliche Behandlung stiegen je Versicherten um rund 3,4 Prozent. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen 2016 je Versicherten um 2,8 Prozent.