Agenturmeldung vom 15.12.2016, 13:04

Krankenkassen beobachten mehr Sprachdefizite bei Kindern

Berlin (dpa) - Nach einer Hochrechnung der Krankenkasse Barmer GEK hat in Deutschland rund jedes achte Kind Sprachprobleme. Bei immer mehr Vorschul- und Schulkindern stellten Ärzte Sprachentwicklungsstörungen fest, teilte die Kasse am Donnerstag mit. Zuerst hatte die Funke-Mediengruppe darüber berichtet. Nach Angaben der Kasse diagnostizierten Mediziner im Jahr 2015 bei 715 000 gesetzlich versicherten Jungen und Mädchen Sprachprobleme. Das waren zwölf Prozent. Im Jahr 2011 seien es 648 000 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 14 Jahren (9,8 Prozent) gewesen.

In den vergangenen zehn Jahren hat nach einer Analyse der Kasse AOK die Verordnung von Sprachtherapien für Kinder um ein Viertel zugenommen. So erhalte zum Beispiel inzwischen jeder vierte sechsjährige Junge diese Hilfe rund um den Schulbeginn, teilte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) am Donnerstag im Heilmittelbericht für 2016 mit.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beobachtet, dass Sprachdefizite zunehmen. "Wir müssen dabei aber zwischen medizinischen und sozialen Ursachen unterscheiden", sagte Sprecher Hermann Josef Kahl der Deutschen Presse-Agentur. Bei medizinischen Gründen gehe es zum Beispiel um Lispeln, Lallen oder auch um Hörprobleme.

Weitaus häufiger seien heute jedoch soziale Ursachen wie mangelnde Deutschkenntnisse von Kindern mit ausländischen Wurzeln. Oder auch Eltern, die mit ihren Kindern zu wenig Sprechen übten. "Wir werden meist von Eltern bedrängt, ihre Kinder zum Logopäden zu schicken. Wir sehen hier aber oft zuerst auch die Eltern in der Pflicht", sagte Kahl.