Agenturmeldung vom 22.11.2016, 06:30

Studie: Ärzte röntgen bei Rückenbeschwerden vorschnell und zu oft

Rückenschmerz ist weit verbreitet. Oft schicken Ärzte Patienten damit zum Röntgen - einer Studie zufolge generell öfter als nötig. Sachsen gehört in Sachen Häufigkeit allerdings zu den Schlusslichtern.

Gütersloh (dpa/sn) - Nur in Sachen-Anhalt werden Patienten bei Rückenschmerz seltener geröntgt oder in die Röhre geschoben als in Sachsen. Allerdings gehen Betroffene hierzulande auch seltener zum Arzt als im Bundesdurchschnitt. Das geht aus einer am Dienstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Trotz regionaler Unterschiede halten die Experten viele Bildaufnahmen für überflüssig und vermeidbar. Sie fordern, durch eine bessere Vergütung des Arzt-Patienten-Gesprächs Fehlanreizen zum vorschnellen Röntgen entgegenzuwirken.

In Sachsen wurden 2015 pro 1000 Patienten mit Rückenschmerzen rund 342 Bilder gemacht - Röntgen, Compuer- oder Magnetresonanztomographie (CT/MRT), bundesweit waren es etwa 398. Auch die Fälle ambulanter Behandlung lagen mit 446,6 knapp unter dem Bundesdurchschnitt (451,9) und im Mittelfeld.

Laut Studie haben 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland schon ein Mal unter solchen Beschwerden gelitten: Ziehen im Kreuz, Verspannung in der Schulter, Schmerzen an der Bandscheibe. Die Auswertung von Versichertendaten zeigt, dass 2015 jeder Fünfte mindestens einmal wegen Rückenschmerzen beim Arzt war. So kamen bundesweit 38 Millionen Arztbesuche zusammen. Haus- und Fachärzte durchleuchteten sechs Millionen Mal Wirbelsäulen - in vielen Fällen überflüssigerweise, wie die Studienautoren kritisieren.

Laut einer parallelen Umfrage zur Untersuchung der Behandlungsdaten ist jeder Zweite davon überzeugt, dass man bei Rückenschmerzen immer zum Arzt muss. 60 Prozent erwarten schnellstens eine Untersuchung mittels bildgebender Verfahren. Entgegen der Erwartungen kann in 69 Prozent der Fälle aber auch damit keine spezifische Ursache für den Schmerz festgestellt werden. 85 Prozent der akuten Beschwerden gelten als medizinisch unkompliziert und verschwinden wieder.

Jeder fünfte Patient wurde im ersten Quartal nach der Erstdiagnose durchleuchtet, obwohl die medizinischen Leitlinien das frühestens empfehlen, wenn herkömmliche Therapien wie Krankengymnastik und Schmerzmittel in den ersten sechs bis zwölf Wochen erfolglos bleiben. In über der Hälfte der Fälle hatte es jedoch vor der Bildaufnahme gar keinen Therapieversuch gegeben.