Agenturmeldung vom 15.11.2016, 16:39

Transplantationen: UKE im Fokus von Staatsanwaltschaft und Behörden

Hamburg (dpa) - Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), weil Unterlagen zu Lungentransplantationen teilweise verschwunden sein sollen. Bei den Ermittlungen gehe es darum, ob strafrechtlich gegen involvierte Klinik-Mitarbeiter vorgegangen werden müsse, berichtete eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Wegen möglicher Unterdrückung von Urkunden oder technischen Aufzeichnungen habe die Behörde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das UKE hatte betont, dass es keinerlei Anhaltspunkte für Eingriffe in die Rangfolge von Patienten auf der Transplantationsliste gegeben habe.

Am 13. Oktober hatte die Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) von GKV-Spitzenverband, Krankenhausgesellschaft und Bundesärztekammer einen Bericht zu Lungentransplantationen im UKE und der LungenClinic Großhansdorf vorgelegt. Die Kommission habe den Verdacht "der Unterdrückung und der Veränderung allokationsrelevanter Krankenunterlagen". Weil sie diesen mit ihren Mitteln weder bestätigen noch ausräumen konnte, schaltete sie die Staatsanwälte ein. "Im Ergebnis sind die Kommissionen im Prüfungszeitraum der Jahre 2010 bis 2012 in 14 von insgesamt 25 überprüften Fällen auf Unregelmäßigkeiten gestoßen", hieß es im Kommissionsbericht. Dem gehe jetzt die Staatsanwaltschaft nach, ergänzte deren Sprecherin.

Auch die Hamburger Gesundheits- sowie die Wissenschaftsbehörde wollen nach eigenem Bekunden zur Aufklärung beitragen. Kritik kam von der Deutschen Stiftung Patientenschutz: "Bis 2012 haben sowohl Politik als auch Aufsichtsgremien nicht genau hingeschaut. Gegen Manipulation sah das Strafrecht keine Sanktionen vor. Für Patienten sind die Verteilungskriterien nach wie vor undurchsichtig", monierte Vorstand Eugen Brysch.

Die Hamburger Behörden haben ihren Angaben zufolge nach dem Bericht der Kommission das UKE umgehend zu Stellungnahmen aufgefordert. Diese lägen seit Kurzem vor und würden ausgewertet. "In der Transplantationsmedizin ist es unbedingt erforderlich, dass nicht nur die medizinischen Standards, sondern auch die verfahrensmäßigen Vorschriften des Transplantationsgesetzes strikt eingehalten werden." Vier der Fälle wurden mittlerweile seitens der Kommission als erklärbar und erledigt angesehen, teilten die Behörden weiter mit. Über aufsichts- oder berufsrechtliche Maßnahmen könne erst nach Abschluss aller Prüfungen und Ermittlungen entschieden werden.

Für die Zuteilung von Spenderorganen in Deutschland ist die Stiftung Eurotransplant zuständig. Sie arbeitet nach eigenem Bekunden eng mit den Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern zusammen. "Die Zuteilung von Organen (Allokation) basiert dabei ausschließlich auf medizinischen und ethischen Gesichtspunkten", schreibt Eurotransplant in seinem Internetauftritt.