Agenturmeldung vom 09.11.2016, 12:08

Experten warnen vor hoher Gefahr von Internetabhängigkeit

Berlin (dpa) - Von Smartphones, Tablets oder Computern geht nach Sicht von Experten eine hohe Suchtgefahr aus. „Den digitalen Reizen zu widerstehen, fällt vielen Menschen in unserem Land, ja weltweit, schwer“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) bei einer Konferenz zu Internet- und Computerspielabhängigkeit in Berlin. Auf der Tagung bringen sich Wissenschaftler und Vertretern von Beratungsangeboten am Mittwoch auf den neuesten Stand zu Suchtgefahren im Netz.

Zwischen 500 000 und 600 000 Menschen in Deutschland sind von Online-Angeboten abhängig. In der Bevölkerung trete das Problem damit schätzungsweise häufiger auf als Cannabis- oder Medikamentensucht, sagte der Psychologe Florian Rehbein vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen.

Vor allem unter den Jüngsten entwickelt sich das Problem rasant: Die Zahl der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren, die auf krankhafte Weise nicht ohne Internet auskommen können, habe sich nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 2011 fast verdoppelt, sagte Mortler. Bedenklich sei auch, dass bereits 70 Prozent der 2- bis 5-Jährigen Smartphones benutzen. „Das ist problematisch, denn Kinder müssen in diesem Alter lernen, sich in der realen Welt zurechtzufinden“, sagte die Drogenbeauftragte Mortler. Sie mahnte zu einer „gesunden Online-Offline-Balance“.

Ein Forscher von der Arbeitsgruppe des Drogen- und Suchtrates appellierte auch an die Verantwortung von Lehrern. In Schulen müssten gefährdete Kinder und Jugendliche früh herausgefiltert werden, um sicherzugehen, dass diese nicht in eine Sucht hineinrutschen, sagte Hans-Jürgen Rumpf von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie. Junge Altersgruppen seien häufiger betroffen - Studien zufolge leidet durchschnittlich mehr als einer von hundert Jugendlichen unter Internetabhängigkeit. 

Für die schädlichste Form von Internetabhängigkeit hält Forscher Rumpf Smartphones am Steuer. In den USA sei ein Viertel aller Verkehrsunfälle bereits auf die Benutzung von Handys bei der Fahrt zurückzuführen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnt hingegen vor Online-Glücksspielen. Wichtig sei, mit Beratungsangeboten über die Gefahren aufzuklären, teilte das bayerische Gesundheitsministerium mit.