vorlesen

Litsch: "Der Morbi-RSA hat eine überzeugende Grundidee"

Foto: Martin Litsch

Martin Litsch

(20.06.16) Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) erfüllt nach Ansicht des AOK-Bundesverbandes seinen Zweck. "Der Morbi-RSA ist das Beste, um Risikoselektion zu verhindern“, verteidigte Vorstandschef Martin Litsch den Morbi-RSA im Interview mit der "Ärzte Zeitung" vom Montag (20. Juni) gegen die Kritik aus Teilen der Kassenlandschaft. "Er soll in der GKV für Solidarität sorgen, Rosinenpickerei verhindern und keine Anreize für Kassen geben, sich nur auf junge, gesunde Mitglieder zu konzentrieren."

Vorwürfe, die AOK profitiere über Gebühr von der Zuweisungssystematik der Krankenversicherungsbeiträge, wies Litsch energisch zurück. "Wir hatten vor 2009 immer die Situation, dass die AOK im Schnitt etwas teurer war, weil die Krankheitslast ihrer Versicherten von vornherein höher war, und sie niedrigere Einkommen hatten. Das hat sich durch den Morbi-RSA verändert." Zusätzlich habe sich die AOK selbst Wettbewerbsvorteile etwa mit den Arzneimittelrabattverträgen erarbeitet. "Damit sparen wir mehr ein als andere Kassen. Das ist aber kein Problem des Ausgleichs, sondern ein Verdienst des Managements."

Bessere oder schlechtere Wettbewerbspositionen führt Litsch ebenso wenig auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kassenart zurück und verweist auf die Zahlen: "Schauen Sie sich die Beitragssätze doch an. BKK ist nicht gleich BKK, Ersatzkasse nicht gleich Ersatzkasse. Und AOK nicht gleich AOK." Dass einzelne Krankenkassen im Markt unterschiedlich dastehen, hält der Verbandschef für normal. Für manche Kassenvertreter sei es offensichtlich gewöhnungsbedürftig, dass der Morbi-RSA die Kassentektonik verschoben habe. Hinsichtlich der Änderungsanträge zum Morbi-RSA im Transplantationsregistergesetz warnte Litsch vor dem Verlust der Planungssicherheit der Kassen. "Wenn die Grundlage dafür jederzeit ex post verändert werden kann, stehen wir auf Treibsand."

Litsch warnte angesichts zahlreicher Einzelgutachten vor einer "Gutachteritis" und warb für eine Gesamtevaluation des Morbi-RSA durch das Bundesversicherungsamt (BVA). "Die, die eine vernünftige Datenbasis haben, sind nicht die Auftragsgutachter. Das ist nicht repräsentativ. Nur das BVA hat die erforderlichen Daten in ausreichender Menge und Qualität."

Die Ankündigung aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG), 2017 an die Krankenkassen 1,5 Milliarden Euro zusätzlich aus dem Gesundheitsfonds auszuschütten, wertete Litsch als Wahlkampfmanöver. "Das nimmt im Wahljahr zwar etwas Druck aus dem Kessel, schließt aber nicht die strukturelle Lücke in der GKV zwischen Einnahmen und Ausgaben." Zudem würden erneut Beitragsgelder umgewidmet, um Aufgaben des Bundes zu refinanzieren.