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Litsch: Nachbesserungsbedarf bei GKV-Reformen

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Martin Litsch

(26.03.16) Nachbesserungsbedarf im ambulanten und im stationären Bereich sieht der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. "Das Problem einer besseren Verteilung der Allgemeinmediziner auf die Regionen ist noch nicht gelöst", sagte Litsch am Samstag (26. März) im Interview mit der "Rheinischen Post". Für den Krankenhausbereich seien zwar bis 2020 zusätzlich zehn Milliarden Euro vorgesehen. "Wir wissen aber nicht, ob der Scheck, der schon eingelöst wurde, auch zu den gewünschten qualitativen und strukturellen Effekten führt."

Litsch verweist auf darauf, dass Patienten immer kürzer in den Kliniken bleiben und viele Leistungen in den ambulanten Bereich verlegt wurden. "Die Zahl der Kliniken beziehungsweise Klinikabteilungen ist aber bisher nicht entsprechend gesunken. Da muss die Krankenhausreform nachgebessert werden", mahnt Litsch.

Problematisch ist nach Ansicht des AOK-Chefs die absehbare Kostenentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Kassen "rutschen absehbar wieder ins Minus, obwohl die Wirtschaft brummt, der Arbeitsmarkt sehr robust ist und die Löhne steigen". Allein bis zum Ende der Legislaturperiode erhöhten sich durch die Reformen der Großen Koalition die Ausgaben der Kassen um 40 Milliarden Euro. "Das ist so viel wie nie", sagte Litsch der "Bild"-Zeitung. Hinzu komme, dass seit Jahren der Ausgabenanstieg um eineinhalb bis zwei Prozentpunkte über dem Zuwachs der Einnahmen liege. „Wenn hier nicht endlich mit richtigen Strukturreformen gegengesteuert wird, ist in den Jahren 2018 und 2019 mit ähnlichen Erhöhungen zu rechnen“, so der AOK-Chef.