Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung

Spätestens seit der Einführung des Krankenkassenwahlrechts 1996 durch das Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) gibt es Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung als bewusst eingeführtes Strukturelement. Wettbewerb als Steuerungskonzept hat vor allem zum Ziel, Qualität, Wirtschaftlichkeit und Präferenzorientierung der Gesundheitsversorgung zu verbessern. Aufgrund des Solidaritätsprinzips der Finanzierung gibt es in der GKV keine risikoäquivalenten Beiträge. Stattdessen gibt es einen GKV-weiten Risikostrukturausgleich, durch den die Krankenkassen Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds entsprechend dem durchschnittlichen Ausgabenrisiko ihrer Versicherten nach den Kriterien Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand (Morbidität) erhalten. Durch den Risikostrukturausgleich bleibt der Kassenwettbewerb "solidarverträglich". Ohne diesen Ausgleich würden sich die Krankenkassen im Wettbewerb vorrangig um junge, gesunde und einkommensstarke Mitglieder ohne Familienangehörige bemühen (Risikoselektion).

In der GKV können drei Märkte unterschieden werden, die jeweils wettbewerblich ausgestaltet werden können:

  • der Versicherungsmarkt mit Austauschbeziehungen zwischen den Versicherten und Krankenkassen und einem Wettbewerb um Versicherte,
  • der Behandlungsmarkt mit Beziehungen zwischen Patienten und Anbietern von Versorgungsleistungen (Leistungserbringern) und einem Wettbewerb um Patienten sowie
  • der Leistungsmarkt mit Beziehungen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern und einem Wettbewerb um Leistungsverträge.

Der Wettbewerb der Krankenkassen um Versicherte ist sehr intensiv. Die GKV-Mitglieder können - anders als privat Versicherte - ihre Krankenkasse relativ rasch wechseln. Die Bindungsfrist nach einem Kassenwechsel beträgt lediglich 18 Monate, hinzu kommen zusätzliche Sonderkündigungsrechte bei Beitragserhöhungen. Um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, haben in den vergangenen Jahre viele Krankenkassen fusioniert. Die Anzahl der Krankenkassen ist dadurch von etwa 1.150 (Mitte der 1990er-Jahre) auf 113 (Januar 2017) zurückgegangen.

Angesichts des starken Wettbewerbs bemühen sich die Kassen, steigende Beitragssätze zu vermeiden, um für ihre Versicherten attraktiv zu bleiben. Ein einseitig auf den Preis ausgerichteter Kassenwettbewerb ist jedoch im Hinblick auf die Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit der Versorgung problematisch, weil aus Furcht vor höheren Zusatzbeiträgen möglicherweise Investitionen der Kassen in neue Vertrags- und Versorgungsmodelle unterbleiben, sofern diese nicht - wie etwa Arzneimittel-Rabattverträge - zu unmittelbaren Einsparwirkungen führen. Neben dem Preis (Zusatzbeitrag) versuchen die Kassen vor allem, sich durch Serviceleistungen und Wahltarife im Wettbewerb zu profilieren.