Kapitaldeckung

Kapitaldeckung, auch Anwartschaftsdeckung genannt, ist ein von der Versicherungswirtschaft verwendetes Ansparverfahren zur Finanzierung von Risiken. In der gesetzlichen Sozialversicherung gilt hingegen die Umlagefinanzierung. Mit dem im Oktober 2012 in Kraft getretenen Pflege-Neuausrichtungsgesetz wurde allerdings nach dem Vorbild der "Riester-Rente" eine steuerlich geförderte ergänzende Pflegeversicherung eingeführt, die auf dem Kapitaldeckungsprinzip beruht. In der Privaten Krankenversicherung (PKV) dient es der Deckung der im Alter steigenden Krankheitskosten (Alterungsrückstellungen). Ein bestimmter Anteil der von den Versicherten gezahlten Prämien, im Durchschnitt etwa ein Drittel, fließt in einen Rücklagefonds, aus dem die mit dem Alter steigenden Behandlungskosten finanziert werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Beiträge auch für ältere Versicherte bezahlbar bleiben. Insgesamt verfügt das PKV-System über einen Rücklagefonds von ca. 155 Milliarden Euro (Stand: 2010). Bei einem Versicherungswechsel erlöschen die Ansprüche der Versicherten an die Alterungsrückstellungen, die sie in ihrer Versicherung aufgebaut haben. Die Mitnahme ist bei einem Versicherungswechsel nur in Höhe der Rückstellungen möglich, die den Rückstellungen im Basistarif entsprechen. Rückstellungen über den gesetzlichen Leistungskatalog hinaus verfallen nach wie vor beim Wechsel der privaten Versicherung. Je älter und kränker jemand beim Versicherungswechsel ist, desto höher sind die von ihm zu leistenden Versicherungsprämien, da er noch keine entsprechenden Rücklagen hat.

Das Kapitaldeckungsverfahren der PKV bietet aus volkswirtschaftlicher Perspektive keine grundsätzlichen Vorteile gegenüber der in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) praktizierten Umlagefinanzierung. Denn auch für das Kapitaldeckungsverfahren gilt nach Gerhard Mackenroth, einem der geistigen Väter der großen Rentenreform von 1957, "dass aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen einer laufenden Periode gedeckt werden muss". Das gilt auch für die Erträge aus einem Kapitalfonds, die von den jeweiligen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig sind. Das Kapitaldeckungsverfahren ist auf ein ausgewogenes Verhältnis von "Entsparen" zu "Sparen" angewiesen. Der für die Alterssicherung aufgebaute Fonds kann nur dann ohne Verluste für die ältere Generation aktiviert werden, wenn die ansparende Generation mit ihren Prämien entsprechend hohe Beträge zur Refinanzierung des Fonds einschießt. Sind die notwendigen "Entsparsummen" größer als die "Sparsummen", die die "Sparer" auf dem Finanzmarkt zu kaufen bereit oder in der Lage sind, kommt es zu einer Entwertung der akkumulierten Rückstellungen. Dieser als Einschmelzen von Ersparnissen (asset meltdown) gefürchtete Effekt kann nach einer Faustregel der Finanzwirtschaft nur vermieden werden, wenn auf einen "Entsparer" mindestens 1,2 "Sparer" kommen. Angesichts der geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1965 droht diese Relation ab 2020 auf 1:1 abzusinken.