Demografischer Wandel

Der demografische Wandel moderner Gesellschaften geht einher mit einer steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung bei der Geburt und einem zunehmenden Bevölkerungsanteil älterer Menschen. In Deutschland ist die allgemeine Lebenserwartung in den vergangenen 60 Jahren von 64 (m) bzw. 68 (w) Jahren auf 77,3 (m) bzw. 82,5 (w) Jahre gestiegen. Im selben Zeitraum hat sich der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen mehr als verdoppelt (von 9,7 auf 20,4 Prozent). Unstreitig ist, dass dieser Anteil in den kommenden zwanzig Jahren wegen der relativ geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis Ende der 1960er Jahre („Babyboomer“) und der danach abflachenden Geburtenrate („Pillenknick“) weiter wachsen wird. Das ist keine deutsche Besonderheit, sondern eine mit bestimmten zeitlichen Verschiebungen auch in anderen vergleichbaren Ländern zu beobachtende Entwicklung. Über das Jahr 2030 hinausgehende Bevölkerungsprognosen gelten aufgrund zahlreicher kaum exakt zu schätzender Einflussparameter als umstritten.
 

Auf jeden Fall aber hat diese Entwicklung höhere Gesundheitsausgaben zur Folge. Zum Umfang dieser Ausgabenzuwächse liegen Schätzungen mit einer großen Bandbreite vor (siehe Sondergutachten 2009 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen). Hier stehen sich zwei Thesen gegenüber, die Medikalisierungsthese und die Kompressionsthese. Erstere geht davon aus, dass die Behandlungskosten mit dem Alter quasi linear steigen, während die Kompressionsthese eine mit zunehmendem Alter eher abnehmende Ausgabenentwicklung postuliert. Die demografische Entwicklung hat auch problematische Auswirkungen auf die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), da mit einem wachsenden Rentneranteil unter ihren Mitgliedern bei einkommensorientierten Beiträgen die Einnahmebasis der GKV schrumpft. Steigende Ausgaben und sinkende Einnahmen laufen zwangsläufig auf höhere Beitragssätze hinaus, deren Umfang für das Jahr 2030 mit einer Bandbreite von 17 bis 30 Prozent prognostiziert wird, je nachdem, welche Annahmen man zugrundelegt.