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G+G 10/17: Erste Hilfe für den Notdienst

Welche Reform die Versorgung im medizinischen Ernstfall verbessert

Titelbild: G+G 10/17

Wer krank wird, wenn der Arzt keine Sprechstunde hat, ruft den ärztlichen Notdienst. Eigentlich! Oft aber gehen viele Patienten – auch mit Bagatellerkrankungen – direkt ins Krankenhaus. Die Folge: Überfüllte Notaufnahmen stoßen mittlerweile an ihre Grenzen. Wo die Gründe liegen und was anders werden muss, darüber diskutieren im G+G-Gespräch der Gesundheitsweise Professor Ferdinand Gerlach, der Patientenvertreter Wolf-Dietrich Trenner, der Ärztliche Leiter des Berliner Rettungsdienstes, Dr. Stefan Poloczek, und Martin Litsch, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.

Die Krankenhausplanung an der Qualität ausrichten, Praxen und Kliniken stärker verzahnen – das hat sich Heiner Garg vorgenommen. Seine Pläne für eine bessere Versorgung erläutert Schleswig-Holsteins neuer Gesundheitsminister im G+G-Interview.

Außerdem geht es in der Oktoberausgabe um Onlinetraining bei Elternstress und die Patientenakte im doppelten Pilotbetrieb.

"Wir brauchen eine Notfallversorgung aus einem Guss"

Foto: G+G-Gesprächsrunde

hinten (v.l.): Prof. Ferdinand Gerlach,
Wolf-Dietrich Trenner
vorne (v.l.): Dr. Stefan Poloczek,
Martin Litsch

Ob Schnupfen oder Schlaganfall: Immer mehr Menschen landen in überlasteten Notaufnahmen der Krankenhäuser. Experten plädieren dafür, ambulante und stationäre Notfallkapazitäten besser zu verbinden. Auch in Ländern wie Dänemark und Großbritannien gebe es beides, einen Rettungsdienst und einen ärztlichen Bereitschaftsdienst, sagt Dr. Stefan Poloczek, Ärztlicher Leiter des Berliner Rettungsdienstes, im G+G-Gespräch. "Der Unterschied zu uns besteht aber darin, dass deren Leitstellen eng vernetzt sind."

Bessere Strukturen und mehr Transparenz fordert der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch. "Wir müssen weg von der komplizierten Multistruktur. Deshalb brauchen wir eine zentrale Anlaufstelle."

Hier setzt auch das Konzept des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen (SVR) zur Neuordnung der Notfallversorgung an. "Wir empfehlen voll integrierte, regionale Leitstellen, die über eine bundeseinheitliche Rufnummer erreichbar sind und je nach Patientenanliegen die individuell beste Versorgungsoption wählen", erläutert der SVR-Vorsitzende Professor Ferdinand Gerlach. Es gebe Hinweise darauf, dass eine Reihe stationärer Aufnahmen unnötig seien.

"Wir brauchen eine Notfallversorgung aus einem Guss"

"Wir brauchen eine Notfallversorgung aus einem Guss"
Das G+G-Gespräch als Leseprobe zum Download

Lasst das Smartphone mal aus

Foto: Bert te Wildt

In Deutschland leidet etwa eine Million Menschen unter Abhängigkeit von digitalen Medien. Privatdozent Dr. med. Bert te Wildt beschäftigt sich seit 15 Jahren mit diesem Phänomen. Er empfiehlt, auch mal ganz auf elektronische Medien zu verzichten. Der Arzt und Psychotherapeut leitet die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Online-Ambulanz für Internetsüchtige (OASIS) und die Medienambulanz am LWL-Universitätsklinikum für Psychosomatik der Ruhr-Universität Bochum.

"Wenn wir nicht mehr mit der Hand schreiben und mit dem Kopf rechnen können, sind wir ziemlich hilflos, wenn alle Strom und Computernetze zusammenbrechen", warnt er im G+G-Einwurf. Es gelte, Heranwachsende an solche Natur- und Kulturtechniken heranzuführen, bevor sie im Fernsehen auf sprechende Bäume treffen und sich in Computerspielen als Affen von Ast zu Ast schwingen.

Viele Kinder hätten zu viel Zeit vor Bildschirmmedien verbracht und dabei ihre lebendige Umwelt zu wenig kennen gelernt, kritisiert te Wildt. Sein Appell an die Erwachsenen: "Als unsere Wälder bedroht waren, haben wir damit begonnen, den Auswüchsen der industriellen Revolution entgegenzutreten. Im Zuge der zweifellos faszinierenden digitalen Revolution gilt es, nun auch die mediale Umwelt zu schützen."

Lasst das Smartphone mal aus

Lasst das Smartphone mal aus
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