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G+G 07-08/17: Das volle Programm

Parteien, Positionen, Perspektiven: Das G+G-Paket zur Bundestagswahl

Titel: G+G 07-08/17

Trotz aktueller Überschüsse ist die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung auf Dauer nicht so rosig, wie sie derzeit scheint. Während in den vergangenen 20 Jahren die Ausgaben um etwa 65 Prozent gestiegen sind, hinkt die Beitragsentwicklung mit nur 35 Prozent hinterher. Was die Parteien gegen die sich abzeichnende Finanzierungslücke tun wollen, steht nicht immer in ihren Wahlprogrammen. Professor Klaus Jacobs und Dieter Haun vom Wissenschaftlichen Institut der AOK) WidO haben die Programme für das AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) analysiert.

Wie die G+G-Leser die gesundheitspolitischen Akteure der vergangenen vier Jahre bewerten, und was sie für die nächste Wahlperiode erwarten, hat die G+G-Umfrage zur Bundestagswahl zu Tage gefördert.

Die G+G-Reportage beschreibt wie die Berliner Beratungsstelle "Lost in Space" Jugendlichen beim Ausstieg aus der Internetsucht hilft. "Echtes Leben ist toller als jedes Spiel", sagt einer der Betroffenen heute - nach dem "Entzug".

Klartext statt Rauchzeichen

Die Politik stellt die Weiterentwicklung des Finanzausgleichs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weiterhin auf ein wissenschaftliches Fundament. "Dieser Weg ist richtig und hat sich bewährt", lobt Timm Paulus, stellvertretender Geschäftsführer Finanzen im AOK-Bundesverband, den Auftrag der Bundesregierung an den Wissenschaftlichen Beirat des Bundesversicherungsamtes, die Wirkungen des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) zu überprüfen. Der Morbi-RSA sei von Beginn an als lernendes System konzipiert. Der Gesetzgeber hat festgelegt, ihn jährlich zu prüfen und bei Bedarf anzupassen. Paulus’ Fazit: "Der Morbi-RSA hingegen funktioniert acht Jahre nach seiner Einführung so gut wie nie zuvor."

Mit den Gegnern der aktuellen Morbi-Systematik geht er hart ins Gericht. Sie hätten versäumt, ihre überholten Geschäftsmodelle frühzeitig zu modernisieren, die Menschen mit chronischen, oft mehreren Erkrankungen kaum berücksichtigen. Die aktuellen Forderungen  einzelner Kassen nach einer Konzentration des Morbi-RSA auf 80 teure und seltene Erkrankungen seien entlarvend, weil sie  die ohnehin deutlichen Überdeckungen für gesunde Versicherte noch weiter vergrößerten.

Klartext statt Rauchzeichen

Klartext statt Rauchzeichen
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Besser erstmal abwarten

Foto: Dr. Ragnhild Schweitzer

Dr. Ragnhild Schweitzer

Fast jede dritte Antibiotika-Verordnung ist unnötig. Das zumindest zeigen Krankenkassen-Daten. "Viele niedergelassene Ärzte verschreiben Antibiotika sogar noch immer gegen Erkältungen", kritisiert Dr. Ragnhild Schweitzer und fragt sich: "Warum aber tun die Ärzte Dinge, die unnötig sind?" Die Journalistin hat selbst Medizin studiert und danach als Ärztin praktiziert. Im G+G-Einwurf erzählt sie von einem niedergelassenen Kardiologen, der sich selbst einen "hyperaktiven Apparatemediziner"! nennt. Ärzte würden allzu oft die Apparate anwerfen, weiß die 45-Jährige aus eigener Erfahrung.

Schweitzer warnt vor den Risiken. Jede diagnostische oder therapeutische Maßnahme sei potenziell schädlich. "Wenn das, was der Arzt tut, einen Nutzen für den Patienten hat, kann man diese Risiken in Kauf nehmen. Doch wenn der Nutzen nicht ausreichend nachgewiesen ist oder keine medizinische Notwendigkeit besteht, etwas zu tun, bleiben dem Patienten nichts als mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen." Abwarten sei da häufig die bessere Medizin.