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G+G 05/17: Mehr Routine, weniger Schnitzer

Warum Mindestmengen die Qualität von Operationen erhöhen

Titelbild :  G+G 05/17

Übung macht den Meister. Diese Binsenweisheit gilt auch für die Medizin. Doch noch immer tun sich Kliniken, Ärzte und Bundesländer schwer, Mindestmengen für bestimmte Operationen konsequent umzusetzen. In Europa sind andere hier längst weiter. AOK-Klinik-Experte Jürgen Malzahn erklärt in der Maiausgabe des AOK-Forums "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G), was Holländer und Portugiesen besser machen als die Deutschen und wo es bei uns schon ganz gut läuft.

Aus Sicht der Selbstverwaltung war die Amtszeit der Großen Koalition eher durchwachsen. Wenig erfreut zeigen sich die Aufsichtsratsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Dr. Volker Hansen und Fritz Schösser, im G+G-Interview über den Versuch des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe, die Selbstverwaltung enger an die Kandare zu nehmen.

Außerdem geht’s um die Restrisiken der neuen EU-Verordnung für Medizinprodukt und um Thomas Schnalke. Der Arzt und Historiker hat die Macher der ARD-Fernseh-Serie "Charité" beim Dreh beraten und gewährt einen Blick hinter die Kulissen. "Das hatte was von einem Krimi", gesteht Schnalke.

"Hört auf die Selbstverwaltung"

Foto (v.l.): Dr. Volker Hansen und Fritz Schösser im Interview

(v.l.): Dr. Volker Hansen und Fritz Schösser

Die Digitalisierung und die Weiterentwicklung von Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Versorgung formulieren die Aufsichtsratsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Dr. Volker Hansen und Fritz Schösser, als wichtige Aufgaben für die nächste Legislaturperiode, verbunden mit einem dringenden Appell an die Politik: "Hört bei der Lösung der anstehenden Herausforderungen im Gesundheitswesen auf den Rat der Selbstverwaltung!", sagt Versichertenvertreter Schösser.

Aus Sicht seines Arbeitgeber-Pendants Volker Hansen hat die Große Koalition diesen Rat in den vergangenen vier Jahren nicht befolgt. "Der Ansatz, die Rechte der Selbstverwaltung durch immer neue Kontroll- und Weisungsbefugnisse einzuschränken, bleibt falsch. Die Politik muss die Selbstverwaltung stärken und darf sie nicht an die Kandare nehmen", kritisiert Hansen im G+G-Interview.

Insgesamt fällt das Zeugnis der Aufsichtsräte für Bundesgesundheitsminister Gröhe durchschnittlich aus. "Die Konjunktur brummt und die Löhne steigen. Das spült Geld in die Sozialkassen“, sagt Hansen. "Insofern ist Herr Gröhe ein Glücksvogel." Gröhe sei fraglos fleißig gewesen, ergänzt Fritz Schösser. Allerdings habe es keine "Großtat" wie das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz seines Vor-Vorgängers Philipp Rösler gegeben.

Von der Spitze in die Breite

Foto: Prof. Dr. Josef Hilbert

Prof. Dr. Josef Hilbert

Die Gesundheitsbranche entwickelt sich zunehmend zum Innovationstreiber für den Standort Deutschland. Das schreibt Prof. Dr. Josef Hilbert im aktuellen G+G-Einwurf. Der Geschäftsführende Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen leitet den Forschungsschwerpunkt Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität. Vor zehn bis 15 Jahren habe ein Prozess begonnen, dass Regionen ihre Kompetenzen bei Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen erkannten und weiterentwickelten. Die Folge: mehr und bessere Arbeitsplätze sowie nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Von diesen bundesweit 60 bis 80 Gesundheitsregionen haben sich 19 größere im Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR) zusammengeschlossen.

"Eine zukunftsfähige Gesundheitswirtschaft muss weg vom Denken und Handeln in Sektoren und braucht eine neue Kultur der Kooperation", fordert Hilbert. Diese könne vor allem in Gemeinschaftsprojekten entstehen und gedeihen. Wer sei hier besser vorbereitet, um die dafür notwendigen Innovationspartnerschaften zusammenzustellen und die Umsetzung zu moderieren, laute die entscheidende Zukunftsfrage.