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G+G 04/17: Datenschatz für die Tumortherapie

Klinische Krebsregister

Titelbild: G+G 04/17

Klinische Krebsregister sind ein Herzstück im Kampf gegen bösartige Tumore und ein Instrument zur Qualitätssicherung in der Onkologie. Sie enthalten alle dokumentierten Daten eines Krebsfalls: von der Diagnose über die einzelnen Behandlungsschritte, die Nachsorge bis hin zu Rückfällen, Überleben und Tod. Ihr Aufbau kommt bundesweit voran. Aber mancherorts klemmt es noch. Wo und warum hat Eva Richter für die Aprilausgabe des AOK-Forums "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) recherchiert. Im G+G-Interview spricht Prof. Dr. Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), über die europäischen Pläne für eine zügigere Zulassung von Arzneimitteln und erklärt, warum er sich davon weniger verspricht als die Europäische Arzneimittel Agentur (EMA).

Auch Bremens Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) hat sich den Fragen von G+G gestellt. Sie fordert ein besseres Entlassmanagement im Krankenhaus und plädiert für eine generalistische Pflegeausbildung.

G+G-Reporterin Silke Heller-Jung macht den Praxistest und berichtet zusammen mit dem Fotgrafen Jürgen Schulzki darüber, was die Umstellung auf den neuen Pflegebegriff für den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) bedeutet.

Außerdem in dieser Ausgabe: ein Zusatztermin für die G+G-Studienreise nach Dänemark und die die G+G-Leserumfrage zur Bundestagswahl 2017.

"Schnellere Zulassungen können Patienten gefährden"

Foto: Prof. Dr. Jürgen Windeler

Prof. Dr. Jürgen Windeler

Die Europäische Arzneimittel Agentur (EMA) will bestimmte Arzneien schneller zulassen und dazu die Anforderungen an Studien herabsetzen. Stattdessen sollen über nachgelagerte Studien Stück für Stück Daten über den Nutzen des neuen Medikaments gewonnen werden. Ein risikoreiches Vorhaben, findet IQWiG-Chef Jürgen Windeler. Der oberste Qualitätsprüfer traut dem Braten nicht so ganz. "Die Befürworter setzen darauf, dass nach der initialen Zulassung irgendwie Realwelt-Daten generiert werden. Ich kenne niemanden, der ernsthaft glaubt, dass das funktioniert", sagt er im G+G-Interview. "Der Gemeinsame Bundesausschuss hat bisher in 25 Fällen die Anerkennung eines Zusatznutzens befristet und die Verlängerung an ergänzende Daten gebunden. Nur in einzelnen Fällen sind dabei neue Erkenntnisse vorgelegt worden." Windeler will eine schnellere Zulassung in jedem Fall an enge Grenzen und an klare Bedingungen knüpfen: "Ich brauche einen besonderen medizinischen Bedarf. Zum Beispiel Patienten mit Pankreas-Karzinom, die meist eine sehr schlechte Prognose haben. Es muss ein deutlicher Effekt zu erwarten sein: dass ein neues Medikament beispielsweise die Lebenszeit erheblich verlängert."

Bildung schützt vor Fake-News

Foto: Prof. Dr. Bernhard Pörsken

Prof. Dr. Bernhard Pörsken

Bildung ist das beste Abwehrzentrum gegen Falschinformation. Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler an der Universität Tübingen, hält wenig von Strafmaßnahmen gegen sogenannte Fake-News, wie sie jeden Tag durch Soziale Medien geistern. Stattdessen fordert der Medienexperte, schon Schulkindern zu vermitteln, wie sie seriöse Quellen erkennen. Forderungen, wie etwa das allgemeine Wahlrecht an einen Wissenstest koppeln, sind für Pörksen nicht nur abstrus, sondern gefährlich.

"Solche Vorstellungen machen deutlich, dass in diesen überhitzten Zeiten nicht nur das Ideal der Wahrheit bedroht ist, sondern auch das der Mündigkeit. Beide Ideale gehören jedoch elementar zu einer Demokratie", schreibt der 47-Jährige im G+G-Einwurf. Die Einsicht, dass durch die aktuelle Medienrevolution jeder Mensch zum Sender geworden sei und sich mit Fälschungen und Fakes barrierefrei an die Öffentlichkeit wenden könne, sei noch nicht ausreichend verbreitet. Sein Fazit: Die Grundfragen des Journalismus nach Glaubwürdigkeit und Relevanz von Informationen müssen zu einem Element der Allgemeinbildung werden.

Bildung schützt vor Fake News

Bildung schützt vor Fake News
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