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G+G 02/17: Womit punktet Rot-Schwarz?

Reformbilanz: Soll und Haben in der Gesundheitspolitik

Titelbild:  G+G 02/17

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat das gesundheitspolitische Feld fleißig bestellt. An manchen Stellen ist die Saat aufgegangen, andere Bereiche liegen aber noch brach. Kai Senf, Politikchef des AOK-Bundesverbandes, zieht in der Februarausgabe des AOK-Forums "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) einen Strich unter die Reformpolitik der Großen Koalition, ein halbes Jahr vor Ende der 18. Legislaturperiode und gerade rechtzeitig zum Start der anstehende Wahlkämpfe in Bund und verschiedenen Ländern.

Florian Staeck wirft einen Blick auf den Masterplan zur Reform der Ärzteausbildung. Mehr Praxisnähe und mehr Allgemeinmedizin hat sich die Politik auf die Fahne geschrieben. Eine verbindliche Landarztquote soll es aber nicht geben.

Außerdem: Auch Pflegebedürftige sehnen sich nach Nähe und Zärtlichkeit. Wie Heime mit der Sexualität ihrer Bewohner umgehen, beschreibt Daniela Noack.

Und schließlich: G+G geht auf große Fahrt nach Dänemark. Es gehört zu den guten Traditionen von G+G, regelmäßig über gesundheitspolitische Entwicklungen in anderen Staaten zu berichten. Nun folgen den Worten Taten: Vom 12. bis 14. Juni 2017 organisiert G+G die erste Studienreise für seine Leser. Experten aus dem Gesundheitsministerium unseres Nachbarlandes stehen Ihnen dabei ebenso Rede und Antwort wie Krankenhausmanager, Mediziner und E-Health-Profis.
 

Reifeprüfung für Reformen

Foto: Kai Senf

Kai Senf

Auch wenn das Jahr 2016 mit einer guten Nachricht für Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe endete, auch wenn die GKV in den ersten drei Quartalen einen Überschuss von rund 1,55 Milliarden Euro verzeichnete, auch wenn der Gesamtüberschuss für das Jahr 2016 wohl in einer ähnlichen Größenordnung liegen wird, warnt Kai Senf in seiner Reformbilanz vor allzu kühnen Träumen. "Das Gesundheitswesen ist kein Feld für Radikalreformen", weiß der erfahrene Politprofi. "Entscheidend sind deshalb die großen Linien."

Genau hier macht Senf Schwächen der schwarz-roten Reformagenda aus. Die gute Kassenlage sei auf Sand gebaut, die strukturelle Lücke zwischen Einnahmen und den Ausgaben in der GKV nach wie vor eine Baustelle. Zudem würden die teuren Reformen der Großen Koalition erst in den Folgejahren wirksam. Die weiterhin bestehenden Qualitätsdefizite findet er inakzeptabel und skandalös. In Sachen Versorgungswettbewerb hätten Union und SPD mehrere Schritte zurück gemacht, und auch die Arzneimittelreform bleibe hinter ihren Möglichkeiten.

Aber Kai Senf lobt auch positive Entwicklungen: Der Risikostrukturausgleich funktioniere so gut wie nie zuvor und sichere somit Wettbewerb in sozialpolitisch erwünschten Bahnen.

Bildet und bewegt Euch

Foto: Margaret Heckel

Margaret Heckel

Bildung und körperliche Bewegung helfen gegen den geistigen Zerfall. Das zeigt die neue Auswertung einer Langzeitstudie der University of Michigan mit 10.500 Frauen und Männern. Kenneth Langa und sein Team haben sie unlängst vorgestellt. Das Ergebnis: Von knapp zwölf auf rund neun Prozent – also um fast ein Viertel – ist der Anteil der Demenzkranken bei den über 75-Jährigen in den USA zwischen 2000 und 2012 gesunken.

Und so provoziert Margaret Heckel gleich zu Beginn ihres G+G-Einwurfs mit der Frage: "Wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?" Denn je älter wir werden, desto seltener lassen sich viele von uns auf Neues ein. Das findet die Journalistin schade, vor allem weil "wir eine Chance ungenutzt lassen, uns besser gegen Demenz zu schützen."

Die Langzeitstudie aus Michigan zeigt übrigens auch: Je gebildeter jemand ist, desto eher entwickelt sie oder er eine sogenannte "kognitive Reserve", und jede Neuverschaltung der Nervenzellen im Gehirn kann Alzheimer bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Daher Heckels Appell: Ein Leben lang lernen und dreimal in der Woche schwitzen.