vorlesen

G+G 05/16: Health Literacy: Vom Bauchgefühl zum Besser-Wissen

Warum die Deutschen mehr Gesundheitskompetenz brauchen

Cover: G+G 05/16

Gesundheitsinfos zu finden, zu beurteilen und zu nutzen, fällt vielen Bürgern schwer. Insbesondere Deutschland erweist sich im europäischen Vergleich als unterdurchschnittlich. Das zeigen neueste Zahlen der Universität Bielefeld. Über die Hälfte der Bevölkerung ist überfordert, vor allem die sozial Benachteiligten. Jeder fünfte bildungsferne Jugendliche mit Migrationshintergrund findet es etwa schwierig herauszufinden, wo er im Krankheitsfall professionelle Hilfe bekommt. Bei älteren Menschen ist es gar mehr als ein Viertel. Die Folge: Schon bei leichter Erkrankung geht’s – oft unnötigerweise – in die Klinik. Und wenn der Weg dann doch in die klassische Praxis führt, haben Viele große Probleme, ihrem Arztes oder Apotheker zu folgen.

Die ehemalige Gesundheitsweise Prof. Dr. Doris Schaeffer und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Gudrun Quenzel erläutern die wichtigsten Ergebnisse ihrer Untersuchung. Eine Konsequenz haben die Universität Bielefeld, die Hertie School of Governance und der AOK-Bundesverband daraus bereits gezogen. Sie werden gemeinsam einen "Nationalen Aktionsplan für Gesundheitskompetenz" entwickeln. Schirmherr ist kein geringerer als Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe selbst.

Weitere Themen der Maiausgabe des AOK-Forums "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G): Warum späte Mütter kluge Kinder haben und sich Ex-Gesundheitsminister Horst Seehofer geirrt hat.

Mit Demenz am richtigen Ort

Foto: Sparziergang mit Demenz

70 Prozent, also mehr als 1,8 Millionen, der aktuell rund 2,6 Millionen Pflegebedürftigen, werden zu Hause gepflegt. Meist von Angehörigen, denn Oma, Opa und die Eltern schiebt man nicht ins Heim ab. Allerdings stoßen gerade Angehörige von Menschen mit Demenz an ihre psychischen und physischen Belastungsgrenzen. Am Ende steht dann halt dann doch das Pflegeheim.  Fünf Jahre nach der Diagnose lebt etwa die Hälfte pflegebedürftiger Demenzkranker in einem Heim, nach acht Jahren sind es sogar circa 90 Prozent.

Die RightTimePlaceCare-Studie erleichtert jetzt all denen das schlechte Gewissen, die schließlich keinen anderen Ausweg mehr sahen. Jene europäische Studie hat nämlich die Lebens- und Pflegesituation von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen in den eigenen vier Wänden und mit der Situation kurz nach dem Einzug in ein Pflegeheim verglichen. Das Ergebnis: Ob Deutschland oder Estland, Frankreich oder Finnland, es macht keinen Unterschied, ob die Betroffenen zu Hause oder im Heim leben. Die Gesundheitsweise Prof. Dr. Gabriele Meyer ordnet den Befund ein.

 "Mit Demenz am richtigen Ort"

"Mit Demenz am richtigen Ort"
Die Leseprobe zum Download

Der Untergang ist abgesagt

Foto: Prof. Dr. Thomas Straubhaar

Prof. Dr. Thomas Straubhaar

"Eine wunderbare Nachricht" nennt der Volkswirt Professor Dr. Thomas Straubhaar den demografischen Wandel. Von wegen Deutschland schrumpfe und vergreise. Da macht ehemalige Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts nicht mit. Die Unkenrufe sind dem unverbesserlichen Optimisten zu eindimensional. "Ersetzt man demografische Mythen durch nüchterne Analysen, zeigt sich, dass Deutschland und seine Bevölkerung die besten Jahre nicht hinter, sondern vor sich haben", schreibt Straubhaar in seinem G+G-Einwurf.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Internationale Wirtschaftsbeziehungen und Bevölkerungsökonomie mit dem Schwerpunkt Migration. Der demografische Wandel vollziehe sich in mannigfaltiger Art und Weise , so der 60-Jährigeunter anderem mit Verweis auf die Zuwanderung. "Millionen von gut gebildeten Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund würden nichts lieber tun, als mehr und länger zu arbeiten“, hält der dreifache Familienvater den Kassandrarufen entgegen. Viele Unternehmen müssten lediglich ihre Mentalität ändern, anstatt den Mangel zu beklagen. Wenn nicht, erweise sich der Fachkräftemangel als selbstverschuldeter Führungsmangel.