vorlesen

G+G 04/16: Wissen mit weißer Weste

Wie die ärztliche Fortbildung frei von Interessenkonflikten bleibt

Cover: G+G 04/16 Cover

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie zitiert Schätzungen, wonach 60 bis 70 Prozent aller Fortbildungen für Ärzte in Deutschland  von der Industrie zumindest mitfinanziert sind. Ärztinnen und Ärzte müssen sich aber selbstverständlich fortbilden, damit der medizinische Fortschritt in der Praxis ankommt und die Behandlungsqualität stimmt. Wie sie auf dem Laufenden bleiben, ohne den Interessen Dritter auf den Leim zu gehen, beschreibt Florian Staeck in der Aprilausgabe des AOK-Forums "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G-).

Außerdem: der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR): Seit 30 Jahren gibt es jetzt das Gremium der "Gesundheitsweisen". 23 Jahre davon ist Prof. Dr. Eberhard Wille mit dabei, derzeit als stellvertretender Vorsitzender. Der mittlerweile 74-Jährige zieht in der G+G Bilanz anlässlich des runden Jubiläums. Bilanz zieht auch Maria Klein-Schmeink. Für die gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, hat die Große Koalition die Weichen falschgestellt.

Und schließlich: "Ich kann mit  Mitleid gar nicht“, sagt Nicole Staudinger. Die junge Mutter und  Unternehmerin hat den Brustkrebs  besiegt und über die Krankheit geschrieben.

"Kunst und Kultur gehören in die Medizin"

Foto: Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach

Prof. Dr. Heinz-Peter Schmiedebach

Das hat es so noch nicht gegeben in Deutschland: eine Professur für Medical Humanities. Dabei geht es um das, was einen Menschen ausmacht und was das für die Medizin bedeuten kann. Es geht um all das, was sich nicht naturwissenschaftlich in Daten erfassen lässt. "Die Studierenden werden sechs Jahre lang darauf getrimmt, den Körper als Objekt zu sehen. Die kulturell und sozial geprägte Patienten-Subjektivität gerät dabei in Vergessenheit. Auch die Medizin selbst ist ein Produkt sozialer und kultureller Einflüsse", sagt Heinz-Peter Schmiedebach im G+G-Interview, promovierter Arzt und Professor für Geschichte und Ethik. Zum Wintersemester 2015/16 erhielt er für zwei Jahre einen Ruf an die Charité.

Es geht außerdem um das, was medizinisches Wissen anrichten kann, wie etwa im Dritten Reich. "In Berlin-Mitte einen Gedenkort mitzugestalten, des Innehaltens und der Information über frühere Verbrechen der Medizin und Gefährdungspotenziale heute", wie Schmiedebach es beschreibt. Und es geht schließlich um Thomas Mann und seine Literatur.

Weg mit den Barrieren

Foto: Ulrike Mascher

Ulrike Mascher

17 Millionen Menschen in Deutschland, meist sind es ältere Erwachsene, sind schon heute dauerhaft in ihrem Alltag eingeschränkt. Über 7,5 Millionen leben außerdem mit einer schweren Behinderung. Und auch, wer selbst etwa aufgrund eines gebrochenen Beins oder eines Kreuzbandrisses nur vorübergehend gehandicapt war, weiß, wie viele Hindernisse der Alltag so bereithalten kann.

Weil es jeden treffen kann, ist Barrierefreiheit "ein Thema von großer gesellschaftlicher Bedeutung, das alle angeht und nicht allein Menschen mit Behinderung", schreibt die Präsidentin des Sozialverbandes VDK, Ulrike Mascher, in ihrem G+G-Einwurf. Barrierefreiheit bedeute mehr als nur die Abwesenheit von Hindernissen. „Selbst wenn es viele helfende Hände gibt, geht diese Haltung an zentralen Aspekten vorbei: Selbstständigkeit, Teilhabe und Menschenwürde – den Maximen der UN-Behindertenrechtskonvention." Deshalb fordert Ulrike Mascher Fristen, Sanktionen und Investitionen, um das Menschenrecht auf Barrierefreiheit zu verwirklichen.

G+G-Einblick: "Weg mit den Barrieren"

G+G-Einblick: "Weg mit den Barrieren"
Die Leseprobe zum Download