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G+G 02/15: Pflege sucht Nachwuchs

Wie eine Zukunftsbranche Fachkräfte gewinnt

G+G 02/2015 Titelbild

Bessere Bezahlung, mehr Vollzeit-Stellen und eine Ausbildungsreform? Das AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) beleuchtet Lösungsansätze für die anstehenden Herausforderungen in der Pflege. 950.000 Menschen sind in Deutschland bei ambulanten Pflegediensten und in Heimen beschäftigt. 85 Prozent davon sind Frauen. Nur etwa 50 Prozent der Beschäftigten arbeiten Vollzeit. Gleichzeitig fehlt der Nachwuchs, und die Zahl der Pflegebedürftigen steigt bis 2030 von derzeit 2,6 Millionen auf rund 3,5 Millionen. Das sagt eine Untersuchung des Forschungsunternehmens Prognos. Außerdem erzählt G+G-Autorin Magaret Heckel, wie es dazu kam, dass eine 88-Jährige ihr Pflegeheim trotz Bandscheibenvorfall, Schulter- und Armbruch wieder verlassen konnte. Ferner in der Februarausgabe: Wie ein Medizinstudent Schüler vom Nichtrauchen überzeugen will und vier Antworten auf die Frage, ob Sanktionen die Telematik-Infrastruktur voranbringen.

"Pflege braucht einen Qualifizierungs-Schub"

Foto: Teilnehmer G+G-Gespräch Pflege

1993 gründete Ute Schulz ein Pflegeunternehmen. Heute beschäftigt sie knapp 60 Mitarbeiter und erhielt 2014 für ihr betriebliches Gesundheitsmanagement den ersten Gesundheitspreis Brandenburg. "Mir kommt es darauf an, dass die Pflegekräfte zufrieden sind", sagt die gelernte Krankenschwester. Wie sie das schafft, verrät die 54-Jährige im G+G-Gespräch. "Ich schließe immer unbefristete Verträge. Ich mache acht Wochen im Voraus einen Wunschdienstplan. Für die Kinderbetreuung gibt es einen Betriebskindergarten. Und meine Mitarbeiter können sich Fortbildungen aussuchen, die sie wirklich interessieren." Zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, dem Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, und der Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité, Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, diskutiert sie über den richtigen Weg zu einer zukunftsfähigen Pflege.

"Prozente führen in die Irre"

Foto: Prof. Dr. Gerd Gigerenzer

Prof. Dr. Gerd Gigerenzer

Wenn wir mündige Patienten wollen, brauchen wir ein ehrlicheres Gesundheitssystem - ein System, das informiert, nicht manipuliert. Das fordert der Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Prof. Dr. Gerd Gigerenzer. Mit plastischen Beispielen dokumentiert der 67-jährige Psychologe, wie anhand wenig aussagekräftiger Prozentzahlen Menschen unnötig in die Irre geführt werden, anstatt sie angemessen zu informieren. So habe etwa das britische Komitee für Arzneimittelsicherheit Mitte der 90er-Jahre verkündet, dass die Antibabypille der dritten Generation das Risiko einer lebensbedrohlichen Thrombose um 100 Prozent erhöhe, also verdoppele. Das eigentliche Risiko jedoch war recht gering. Von je 7.000 Frauen bekamen statt einer statistisch jetzt zwei Frauen eine Thrombose. Dennoch setzten aufgrund der Meldung Tausende Frauen die Pille ab. Die Folge: geschätzte 13.000 zusätzliche Abtreibungen.