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G+G 03/15: Modelle fürs Medizinstudium

Wie Ärztinnen und Ärzte ihr Handwerk noch besser lernen

Titelbild: G+G 03/15

Mehr Theorie oder mehr Praxis? Politik und Verbände streiten über den besten Weg zur Approbation. Modellstudiengänge bringen beides unter einen Hut. Angehende Ärztinnen und Ärzte sollen so früher die Praxis kennenlernen und gleichzeitig wissenschaftliches Denken üben. Florian Staeck beschreibt in der Titelgeschichte für das AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" Lehrpläne und skizziert Reformdebatten. Außerdem: die ganz persönlichen Erfahrungen des Dr. Andreas Köhler, ehemaliger Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) , als Patient. Wie Kassen und Ärzte sich vor Datenklau schützen können. Wie das Bundesgesundheitsministerium die Pflege entbürokratisieren will. Und: eine neue Strahlen-Therapie gegen Beinamputationen.

 

"Wie Tarzan im Medizin-Dschungel"

Foto Dr. Andreas Köhler

Dr. Andreas Köhler

Dr. Andreas Köhler war einer der mächtigsten Menschen im Gesundheitswesen, Kämpfer für die Vertragsärzte, ein Kerl wie ein Baum. Keinem verbalen Schlagabtausch ging der Ex-KBV-Chef aus dem Weg. Dann im Herbst 2013 mit nicht einmal 53 Jahren erleidet Köhler einen Herzinfarkt. Herzstillstand! Zweimal müssen ihn die Ärzte wiederbeleben. Fortan macht der Funktionär ganz praktische Erfahrungen mit dem System - als Patient mit einer "chronischen, seltenen und sehr akuten Erkrankung". Sein zwiespältiges Fazit im G+G-Interview: "Unser Gesundheitssystem ist technisch in der Neuzeit angekommen, in der Koordination verharrt es im Mittelalter." Auf die Frage aber, ob jenes System leistungsfähig sei, zögert er keine Sekunde: "Ja, das würde ich sofort unterschreiben." Köhler fordert den Ausbau der Versorgungsforschung und gibt persönliche Einblicke: "Ich muss den Umgang mit der Krankheit akzeptieren, was gar nicht so einfach ist."

"Stress ist Chefsache"

Foto: Anneliese Buntenbach

Anneliese Buntenbach

Jeder vierte Arbeitnehmer leistet pro Woche mehr als fünf Überstunden. Fast 60 Prozent arbeiten länger als im Arbeitsvertrag vereinbart. So steht es im Report 2014 des "DGB-Index Gute Arbeit". Gleichzeitig sind laut Fehlzeiten-Report 2012 des WIdO die Fehltage aufgrund dessen, was der Volksmund "Burnout" nennt, sehr stark gestiegen. Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), fordert deshalb eine Anti-Stress-Verordnung. Außerdem müssten Beschäftigte stärker Einfluss auf die Gestaltung der Arbeitsbedingungen nehmen können. Diese seien auch wegen der Digitalisierung einem starken Wandel unterzogen. "Dazu zählt auch, sich und seine Arbeit ständig bewerten zu lassen, von Auftraggebern oder Kunden. Anonym und ohne jede Möglichkeit, sich zu erklären oder etwas zu überarbeiten", schreibt Buntenbach im G+G-Einwurf. "Über diese ‚schöne neue Welt’ müssen wir diskutieren."