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G+G 04/15: Wegbegleiter am Lebensende

Schmerzen lindern, Trost spenden: Was die Palliativmedizin leistet

G+G 04/2015 Titelbild

Die Diskussion über die Sterbehilfe hat der Palliativmedizin besondere Aufmerksamkeit verschafft. Die meisten Politiker, Wissenschaftler und Verbandsvertreter fordern ihren Ausbau als Alternative zur assistierte Selbsttötung. Das AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G) nimmt die Debatte auf. Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, beschreibt das Angebot und fordert klare gesetzliche Regelungen für eine flächendeckende Versorgung. Die G+G-Reportage schildert außerdem die Arbeit des Palliativteams Frankfurt mit im wahrsten Sinne des Wortes sterbenskranken Menschen. Weitere Themen in der Aprilausgabe: Die geplante Reform der ambulanten Versorgung, wie Thüringen Ärzte mit Finanzspritzen aufs Land locken will und wie man psychisch kranke Menschen mit Migrationshintergrund angemessen behandelt.

Hausbesuch am Lebensende

Foto: Palliativteam Frankfurt

Sie leiden an Darmkrebs, Brustkrebs, Lungenkarzinomen oder schwerster Demenz. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie können nicht geheilt werden und wollen, wenn’s irgendwie geht, zu Hause sterben. Dass sie das dürfen, dafür hat der Gesetzgeber im Jahr 2007 gesorgt. Damit sie das auch können und vor allem der Weg bis dahin würdevoll und schmerzfrei bleibt, dafür gibt’s etwa das Palliativteam Frankfurt. Vor rund fünf Jahren ist das Team zu viert gestartet. Mittlerweile sind 20 Mitarbeiter im Einsatz: acht speziell ausgebildete Palliative- Care-Pflegekräfte, ein Vollzeit-Arzt, zwei Ärzte auf halber Stelle, mehrere Ärzte, die an einzelnen Tagen im Dienst sind. G+G-Reporter Christoph Fuhr hat das Team hautnah begleitet, für das Abschied zum Arbeitsalltag gehört, und gibt tiefe Einblicke in Rituale und den Umgang mit Sterben und Tod.

Zentren für Waisen der Medizin

Foto: Dr. Andreas Reimann

Dr. Andreas Reimann

Als selten gilt eine Erkrankung, wenn sie bei nicht mehr als fünf von 10.000 Einwohnern auftritt. Etwa vier Millionen Menschen sind davon betroffen. 80 Prozent dieser nach Schätzungen 7.000 bis 8.000 Krankheiten haben eine erbliche Ursache. Oft fällt schon die Diagnose schwer. Bei der mittlerweile zehnjährigen Lili dauerte es sieben Jahre. Nicht minder kompliziert ist die Behandlung. Oft hilft nur der Zufall, weil man nicht genügend über eine Krankheit weiß, an der nur wenige leiden. Im G+G-Einwurf fordert Dr. Andreas Reimann, Vorsitzender der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE), die Kräfte zu bündeln und endlich den Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen von 2013 umzusetzen. "An dieser Stelle wäre eine interdisziplinäre und multiprofessionelle Zentrenversorgung gefragt. Es irritiert, dass unser Gesundheitssystem zwar höchstpreisige Arzneimittel erstattet, jedoch keine Sicherheit für die nachhaltige ärztliche Versorgung bietet."