vorlesen

G+G 05/15: Pharmamarkt – Teure Patente

Was sind neue Pillen wirklich wert?

G+G 05/2015 Titelbild

Jährlich steigen die Arzneiausgaben um viele Milliarden Euro. Legt die Politik die Wirtschaftlichkeitsprüfung ad acta, ist der Kostenschub nur schwer zu bremsen. Dr. Sabine Richard, Geschäftsführerin Versorgung im AOK-Bundesverband, skizziert im AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G), wie der Gesetzgeber den Pharmamarkt steuern muss, damit der medizinische Fortschritt bezahlbar bleibt. Dazu äußert sich auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, im Interview. Weitere Themen der aktuellen Ausgabe: Unikliniken klagen über zu wenig Geld für ihre hochspezialisierten Aufgaben; der neue Extremkostenbericht belegt etwas anderes. Außerdem: Lücken bei der Krebsvorsorge und warum ein Museumsbesuch Menschen mit Demenz gut tut.

Pillen am Ende der Preisspirale

Foto: Wendeltreppe

Patentgeschützte Präparate bleiben der wesentliche Kostentreiber auf dem Arzneimittelmarkt. Allein 2014 war ein Kostenanstieg von über 19 Prozent zu verzeichnen. Mehr als die Hälfte der Arzneimittelausgaben entfallen auf dieses Segment. Mit rund 600 Millionen Euro im Jahr 2014 besonders auffällig waren die Ausgaben für neu zugelassene Arzneimittel zur Behandlung von Hepatitis C. Hier treffen ein hoher Preis und eine große Patientengruppe aufeinander. Welcher Preis bei neuen Arzneimitteln, die als therapeutischer Durchbruch angesehen werden, ist angemessen? Was ist die richtige Bezugsgröße? Entwicklungskosten oder Börsenkurs? Und: Gibt es einen fairen Preis? Diese Fragen beleuchtet Dr. Sabine Richard, Geschäftsführerin Versorgung im AOK-Bundesverband, in der Titelgeschichte der G+G 05/15.

"Keine Fantasiepreise für neue Arzneien"

Foto: Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, AKdÄ

Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig

Die frühe Nutzenbewertung für neue Arzneimittel allein ist aus Sicht der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nicht ausreichend. "Wir brauchen dringend weitere klinische Studien, deren Design nicht von den Herstellern festgelegt wird", fordert deren Vorsitzender, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ludwig, im G+G-Interview. Nur sie brächten dringend benötigte Erkenntnisse zur langfristigen Wirksamkeit und Sicherheit insbesondere von Spezialpräparaten. Die Pharmaindustrie versuche, ihre Innovationskrise durch Fantasiepreise zu kompensieren, kritisiert Ludwig. "Die meisten der heute neu zugelassenen Arzneimittel bedeuten keineswegs einen großen medizinischen Fortschritt", kosteten aber nicht selten mehr als 50.000 Euro pro Jahr und Patient.

Streber beim Schulessen

Foto: Bundesminister Christian Schmidt

Bundesminister Christian Schmidt

97 Prozent der Verbraucher halten Lebensmittel für ein wichtiges oder gar sehr wichtiges Thema. Allerdings gelingt es fast der Hälfte nur manchmal, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. "Da ist ein Stück Kultur verloren gegangen", bedauert Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in seinem "Einwurf" für G+G. Gerade Kinder jedoch sollten früh lernen, wie einfach und wichtig gesunde Ernährung ist. "Sie müssen verstehen, woher Lebensmittel kommen, und lernen, dass ein Schnitzel mal ein Schwein war", schreibt der Vater von zwei Töchtern. Neben der Familie sieht Schmidt besonders die Schulen in der Pflicht. Seine Forderung: "Wer die Schule verlässt, sollte das Einmaleins der Ernährung kennen, von den Grundlagen über die Zubereitung bis zu den Hintergründen der Lebensmittelproduktion."