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G+G 07-08/15: Pflege ohne Gewalt

Wie Angehörige und Profis besser mit Aggressionen umgehen

G+G 07/2015 Titelbild

Schreien, schlagen oder fixieren - in der Pflege oft ein Tabu. Aufklärung und Information helfen, Gewalt vorzubeugen. Wie das funktionieren kann beschreibt der Vorstandschef des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP), Ralf Suhr, im AOK-Forum "Gesundheit und Gesellschaft" (G+G). Oft ist es die Überlastung, die Gewalt in der Pflege begünstigt. Das betrifft nicht nur Profis. Denn: "Angehörige zu Hause zu pflegen, ist oft eine Geduldsprobe", sagt Sozialpädagogin Gabriele Tammen-Parr. Mit dem von der AOK Nordost geförderten Beratungsangebot "Pflege in Not" trägt sie dazu bei, dass Konflikte nicht eskalieren. Weiteres Thema der Sommerausgabe ist die geplante Klinikreform. Außerdem: Warum sexuell übertragbare Krankheiten in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sind. Und: Wie Ärzte und Forscher der Uniklinik Tübingen multiresistenten Keimen den Garaus machen wollen.

"Nicht jede Klinik muss alles machen"

Foto: Prof. Dr. Jonas Schreyögg

Prof. Dr. Jonas Schreyögg

Professor Jonas Schreyögg ist 39 Jahre alt und erst seit Januar 2015  Mitglied des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen (SVR) und damit in doppelter Hinsicht der jüngste Gesundheitsweise Deutschlands. Im G+G-Interview plädiert er für mehr Arbeitsteilung und Spezialisierung in deutschen Kliniken und erweist sich durchaus als Freund des klaren Standpunktes. "Schwere Schlaganfälle sollten ländliche Kliniken nicht behandeln. Sie sollten die Patienten stabilisieren und dann per Hubschrauber in benachbarte Ballungsräume ausfliegen", sagt Schreyögg und ergänzt: "Ein falsch behandelter Schlaganfall kostet das Gesundheitssystem deutlich mehr als ein neuer Rettungshubschrauber. Behandlungsqualität zahlt sich immer aus - auch in Euro und Cent." Das vorliegende Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) biete große Chancen für mehr Effizienz und Behandlungsqualität, die es zu nutzen gelte.

Therapie für Huhn und Mensch

Foto: Prof. Dr. Lothar H. Wieler, RKI

Prof. Dr. Lothar H. Wieler

Die häufigsten Infektionskrankheiten des Menschen sind sogenannte Zoonosen. Das sind Erkrankungen, deren Erreger von Tieren auf Menschen übertragbar sind und umgekehrt. Der Chef der Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lothar H. Wieler, plädiert deshalb im G+G-Einwurf für eine engere Verzahnung von medizinischer Forschung an Mensch und Tier in diesem Bereich. Rund zwei Drittel aller bekannten Erreger sind Zoonosen, darunter etwa FSME-Viren, die die Hirnhautentzündung meist von der Zecke übertagen, Grippe- oder gar Ebola-Viren. Das Problem: Wegen der vielfältigen Infektionswege und -zyklen ist es fast unmöglich, sich gegen Zoonosen impfen zu lassen. Dennoch reduzieren auch hier Impfungen die Verbreitung der Erreger und schützen Mensch und Tier gleichermaßen. Beispiel Salmonellen: Eine gute Küchenhygiene ist wichtig. Tatsächlich ist aber die Impfung von Legehennen der entscheidende Grund für den enormen Rückgang der Salmonellosen bei Menschen.