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Dossierstempel

Arzneimittelrabattverträge

Die Arzneimittelrabattverträge der AOK

Der Gesetzgeber hat den Krankenkassen die Möglichkeit gegeben, mit einzelnen Arzneimittelherstellern Verträge über Preisnachlässe für Medikamente zu schließen. Seit 2007 müssen die Apotheken beim Austausch von Nachahmerpräparaten (Generika) die Rabattverträge einer Krankenkasse besonders beachten. Die Verträge haben den Wettbewerb im Bereich der Generika deutlich in Schwung gebracht. Sie ermöglichen Einsparungen ohne Verlust an Qualität in der Arzneimittelversorgung. Das eingesparte Geld steht so zum Beispiel für innovative Versorgungsformen zur Verfügung.

Die Arzneimittelrabattverträge bremsen seit Jahren verlässllich den Anstieg der Ausgaben für Medikamente. Trotzdem geben die gesetzlichen Krankenkassen Jahr um Jahr mehr für Medikamente aus. 2016 waren es insgesamt 38,454 Milliarden Euro. Das waren 1,4 Milliarden oder 4,1 Prozent mehr als im Jahr 2015. 

Die AOK-Gemeinschaft hat dank ihrer besonders erfolgreichen Verträge 2016 lediglich 0,8 Prozent mehr für Arzneimittel ausgeben müssen. Die Minderausgaben der AOKs durch Rabattverträge haben sich seit 2007 auf rund acht Milliarden Euro summiert. 2015 lagen die Einsparungen bei knapp 1,5 Milliarden Euro, 2016 waren es 1,6 Milliarden.
Alle gesetzlichen Krankenkassen (GKV) zusammen haben 2016 durch Verträge mit pharmazeutischen Herstellern rund 3,85 Milliarden Euro weniger für Medikamente ausgeben müssen. Das waren noch einmal rund 250 Millionen Euro oder 7,8 Prozent mehr als 2015.

Insbesondere für chronisch Kranke sorgen die AOK-Rabattverträge für mehr Kontinuität in der Medikamentenversorgung. Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK belegt, dass 80 Prozent der AOK-Versicherten dauerhaft ein Medikament erhalten - zehn Prozent mehr als vor Einführung der Rabattverträge. Dadurch nimmt die Therapietreue zu. 


Vorreiter bei der Durchsetzung der Verträge

Die AOK-Gemeinschaft ist Vorreiter der europaweiten Ausschreibung der Rabattverträge für Generika. Sie hat ihr Verfahren erfolgreich gegen teils erheblichen Widerstand einzelner Pharmaunternehmen rechtssicher durchgesetzt. Zuletzt hat der zuständige Senat des Oberlandesgerichtes Düsseldorf das AOK-Ausschreibungsverfahren bestätigt.

Die AOK-Verträge decken rund zwei Drittel des Generikamarktes ab und umfassen alle markt- und ausgabenrelevanten generischen Wirkstoffe. Am 1. Juni 2017 sind die Verträge der jüngsten Tranche (AOK XVIII) in Kraft getreten. Sie lösen überwiegend die Kontrakte der Tranche XIV ab und laufen bis Ende Mai 2019. Damit laufen aktuell Verträge für insgesamt 276 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen (280 Fachlose) mit einem jährlichen AOK-Umsatzvolumen von insgesamt rund 5,2 Milliarden Euro.

Anfang Oktober hat die AOK-Gemeinschaft die Zuschläge für die 19. Vertragstranche erteilt. Beteiligt sind 46 Unternehmen. Die Tranche beinhaltet 119 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen. Die Versorgungsverträge sollen vom 1. April 2018 bis zum 31. März 2020 laufen. Sie decken ein jährliches AOK-Umsatzvolumen von rund 2,1 Milliarden Euro (Apothekenverkaufspreis) ab.

Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. März 2018
103 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen (105 Fachlose)
45 Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. April 2016 bis 31. März 2018
Verträge über drei Wirkstoffe (alle im Mehrpartnermodell)
10 Pharmaunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 150 Millionen Euro
 

Laufzeit: 1. Oktober 2016 bis 30. September 2018
54 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen in 55 Fachlosen
(vier Wirkstoffe im Mehrpartnermodell vergeben)
34 erfolgreiche Pharmaunternehmen/ Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen pro Jahr: 1,1 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Juni 2017 bis 31. Mai 2019
(abweichend Tramadol mit Vertragsstart 01.09.17 und Pregabalin 01.12.17)
110 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen in 112 Fachlosen
17 Wirkstoffe im Mehrpartnermodell vergeben
39 beteiligte Pharmaunternehmen/ Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen pro Jahr: rund zwei Milliarden Euro

Eine Datenbank mit den aktuellen Rabattverträgen finden Sie im Internetportal der AOK für ihre Vertragspartner. Die Datenbank enthält neben den bundesweiten Generika-Rabattverträgen auch regionale Verträge, die einzelne AOKs mit Herstellern abgeschlossen haben.

Datenbank der AOK-Arzneimittelrabattverträge

AOK-Ausschreibungsverfahren stärkt Wettbewerb und nützt mittelständischen Unternehmen

Die AOK-Rabattverträge sorgen für eine besonders sichere Arzneimittelversorgung. Die AOK schließt für die Arzneimittelversorgung mit patentfreien Arzneimitteln in der Regel für jeden einzelnen Wirkstoff exklusive Verträge mit jeweils nur einem Hersteller. Bei besonders häufig verordneten Wirkstoffen hat die AOK die Exklusivität auf drei Hersteller ausgeweitet.

Die AOK prüft vor der Auftragsvergabe sorgfältig die Lieferfähigkeit ihrer Vertragspartner. Auch nach Vertragsstart kontrollieren die AOKs fortlaufend die Belieferung der Großhändler und Apotheken. Unternehmen, die einen Vertrag mit der AOK abschließen wollen, müssen sich verpflichten, diese Arzneimittel in ausreichender Menge über die gesamte Vertragslaufzeit bereitzustellen. Bei Vertragsverstößen müssen die betreffenden Unternehmen mit Vertragsstrafen, Kündigung des Vertrags und Schadenersatzforderungen rechnen. Dies ist in einzelnen Fällen bereits passiert.

Die AOK schreibt die Arzneimittelrabattverträge regional aus. Aktuell gibt es acht Gebietslose. Dieses Verfahren hat sich als besonders mittelstandsfreundliche erwiesen. Kleine und mittlere Unternehmen haben gute Chancen auf einen regionalen Zuschlag und erhalten Planungssicherheit.

Auch nach mehrern Jahren ist nicht zu erkennen, dass sich im Markt neue Oligopole bilden bzw. die mittelständischen Hersteller benachteiligt würden. Im Gegenteil: Anstatt weniger Anbieter gibt es mehr, was wiederum den Wettbewerb fördert. Die oligopolartige Vormachtstellung der 2006 noch führenden Unternehmen wurde unter anderem zugunsten kleiner mittelständischer Unternehmen gebrochen und diesen damit die Chance gegeben, ihre Marktanteile deutlich zu erhöhen.

Die Rabattverträge, wie sie die AOK umsetzt, sind ein Instrument zur Förderung des Wettbewerbs und der mittelständischen Unternehmen.

Ausgelaufene Vertragstranchen seit 2007

Laufzeit: 1. Januar bis 31. Dezember 2007
42 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
Elf Partnerunternehmen

Laufzeit: 1. Januar 2008 bis 31. März 2010
22 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
30 Partnerunternehmen

Laufzeit: 1. Juni 2009 bis 31. Mai 2011
63 Wirkstoffe
2,3 Milliarden Euro AOK-Umsatzvolumen
22 Vertragspartner

Laufzeit: 1. April 2010 bis 31. März 2012
80 Wirkstoffe
26 Vertragspartner

Laufzeit: 1. Oktober 2010 bis 30. September 2012
Zwölf Wirkstoffe
Neun Vertragspartner
300 Millionen Euro AOK-Umsatzvolumen

Laufzeit: 1. Juni 2011 bis 31. Mai 2013
80 Wirkstoffe
30 Vertragspartner
Zwei Milliarden Euro AOK-Umsatzvolumen

Laufzeit: 1. April 2012 bis 31. März 2014
95 Wirkstoffe
34 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Oktober 2012 bis 30. September 2014
19 Wirkstoffe
14 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 550 Millionen Euro

Laufzeit: 1. Januar 2013 bis 30. September 2014
26 Wirkstoffe
20 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 420 Millionen Euro

Laufzeit: 1. Juni 2013 bis 31. Mai 2015
91 Wirkstoffe
39 Vertragspartner
AOK-Umsatzvolumen: 1,9 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. April 2014 bis 31. März 2016
112 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
53 Partnerunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 2,1 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Oktober 2014 bis 30. September 2016
Verträge über 57 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
(drei im Mehrpartnermodell vergeben)
27 Partnerunternehmen/Bietergemeinschaften
AOK-Umsatzvolumen: 1,1 Milliarden Euro

Laufzeit: 1. Juni 2015 bis 31. Mai 2017
109 Wirkstoffe/Wirkstoffkombinationen
28 Vertragspartnerunternehmen
AOK-Umsatzvolumen: rund zwei Milliarden Euro