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"Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?!"

Eine Veranstaltung des AOK-Bundesverbandes auf dem Deutschen Pflegetag 2016

Foto: AOK-Pflegetag Podium

Das Podium v.l.: Birgit Burmeister, Erwin Rüddel, Moderator Raiko Thal, Mechthild Rawert

(14.03.16) Entlastungsangebote nützen nur, wenn betroffene Familien auch davon erfahren. Daher ist eine individuelle Pflegeberatung immens wichtig. „Mehr Zeit, mehr Beratung, mehr Entlastung?! – Was ändern die Pflegereformen für pflegende Angehörige?“ – über diese Frage diskutierten Experten und ehrenamtlich Pflegende während einer Veranstaltung des AOK-Bundesverbandes im Rahmen des Deutschen Pflegetages 2016.

"Ohne Angehörige wäre die Pflege nicht leistbar", betonte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Die Pflegeversicherung habe auf politischer Ebene einen großen Schritt nach vorn gemacht. "Wir möchten aber auch erreichen, dass die zusätzlichen Leistungen und Erleichterungen direkt bei Ihnen ankommen", sagte Litsch an die Adresse der pflegenden Angehörigen. Damit das gelinge, würden etwa 700 Pflegeberaterinnen und Pflegeberater der AOK Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ganz persönlich beraten.

Die Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel (CDU) und Mechthild Rawert (SPD) gaben Einblick in ihr Engagement während der Erarbeitung der Pflegestärkungsgesetze I und II. "Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen in Deutschland eine würdevolle Pflege erhalten“, erklärte Mechthild Rawert. Die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion bedauerte, dass pflegende Angehörige die Möglichkeit einer Auszeit für die Pflege noch wenig nutzten. "Es muss sich noch entwickeln, dass dieses Angebot mehr angenommen wird", sagte sie.

Erwin Rüddel, pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, stellte heraus, dass das Pflegestärkungsgesetz I Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen ermögliche, Leistungen flexibler zu nutzen. Die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung seien sehr komplex. Daher sei eine gute Beratung notwendig. Mit dem geplanten Pflegestärkungsgesetz III, das als Nächstes anstehe, werde die Beratung in den Mittelpunkt gestellt, kündigte Rüddel an. "Das Thema Beratung wird die Herausforderung der Zukunft sein, das A und O", so Rüddel.

Rechtsanspruch auf individuelle Beratung

Foto: AOK-Pflegetag

Viele ehrenamtlich Pflegende nutzten die Gelegenheit zum durchaus auch kritischen Austausch

"Pflegende Angehörige sind hohen Belastungen ausgesetzt. Wir wollen sie entlasten", erklärte Birgit Burmeister. Die Teamleiterin Pflegeberatung/Pflegestützpunkte bei der AOK Nordost erläuterte, wie sie und ihre Kolleginnen und Kollegen Versicherten und Angehörigen zur Seite stehen. Zu den Aufgaben der AOK-Pflegeberater gehöre Beratung, Unterstützung bei der Planung sowie Begleitung und Unterstützung bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen. Burmeister informierte außerdem über Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz II, die Pflegebedürftige und pflegende Angehörige betreffen. So haben pflegende Angehörige seit Jahresbeginn 2016 unter anderem einen Rechtsanspruch auf individuelle Pflegeberatung. Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen kommen zudem zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen zugute. Ab 2017 gibt es einen einheitlichen Entlastungsbetrag für alle Pflegebedürftigen in Höhe von 125 Euro monatlich. Zu den zentralen Neuerungen gehört die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes sowie von Pflegegraden ab 2017. Der Maßstab bei der Einstufung ist dann der Grad der Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen. "Die Überleitung erfolgt automatisch. Dadurch wird niemand schlechter gestellt", sagte Burmeister. 

Wie stark pflegende Angehörige belastet sind und dass Anspruch und Wirklichkeit bei der häuslichen Pflege nicht immer übereinstimmen - auch das wurde im Gespräch mit pflegenden Angehörigen deutlich. So wiesen Teilnehmer der Veranstaltung darauf hin, dass es in der Praxis oft nicht möglich sei, eine Berufstätigkeit mit der Vollzeit-Pflege eines Angehörigen zu verbinden. Zugleich berichteten pflegende Angehörige, wie hilfreich die Unterstützung durch Pflegestützpunkte und Pflegeberater sei. Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch auf weitere Unterstützungsangebote hingewiesen, etwa Selbsthilfegruppen, die Fachstelle für pflegende Angehörige in Berlin sowie das Angebot "Pflege in Not".