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Mehr Miteinander im Krankenhaus

Berliner Gesundheitspreis prämiert Projekte zur interprofessionellen Zusammenarbeit

(18.06.15) Bereits zum zehnten Mal seit 1995 ist in diesem Jahr der Berliner Gesundheitspreis verliehen worden. Unter dem Motto der Jubiläumsausschreibung "Zusammenspiel als Chance" galt es, Beispiele einer guten und effektiven Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Professionen und einzelnen Berufsgruppen im Krankenhaus zu finden. Dabei war es den Juroren wichtig, wie Vernetzung, neue Kommunikationsmittel und eine vertrauensvolle Kooperation der unterschiedlichen Akteure organisiert werden, um auf der einen Seite zufriedene Patienten und auf der anderen Seite ein gutes Betriebsklima zu erzielen. Kurz gesagt, der Preis sollte Projekte und Häuser prämieren, in denen diese neue Kultur der gegenseitigen Wertschätzung bereits im Alltag gelebt wird.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte die Preisverleihung übernommen und überreichte am Mittwochabend (17. Juni) im Haus des AOK-Bundesverbandes den Siegerprojekten insgesamt 50.000 Euro an Preisgeldern. Neben dem Gesundheitsminister haben rund 150 Gäste im Atrium des AOK-Bundesverbandes in der Rosenthaler Straße an der Festveranstaltung teilgenommen.

Folgende Projekte und Einrichtungen wurden 2015 ausgezeichnet:

1. Preis "Das Weddinger Modell" - Psychiatrie

Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, Berlin, Dotierung: 25.000 Euro

Ein Best-Pratice-Modell der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwigs-Krankenhaus konnte die Jury überzeugen und den ersten Preis erringen. Das "Weddinger Modell" beinhaltet ein psychiatrisches Behandlungskonzept, das ausgehend von der Lebenslage des Patienten individuelle Behandlungslösungen entwickelt. Ganz bewusst umgeht man dabei tradierte Zusammenarbeitsstrukturen und Krankenhaushierarchien und setzt stattdessen auf eigens zusammengestellte Teams von Bezugstherapeuten. Ihre Kompetenzen werden aufgewertet und gestärkt. So werden beispielsweise Visiten gemeinsam mit allen Bezugspersonen des Patienten, die sich gleichberechtigt an den Therapieentscheidungen beteiligten können, durchgeführt. Auf mittlerweile vier Jahre Erfahrung kann das Hedwigs-Krankenhaus bei diesem Projekt zurückblicken, so dass sich Therapieerfolge nachweisen und ein Anstieg der Arbeitsplatz-Zufriedenheit des medizinischen Personals verzeichnen lassen. Dieses Behandlungskonzept lässt sich auf andere Kliniken und Einrichtungen übertragen. Preisträger, Juroren und die AOK wünschen sich, dass es viele Nachahmer findet.

Ansprechpartnerin: Dr. med. Lieselotte Mahler, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, Tel. 030 2311-2535, E-Mail

2. Preis "Netzwerk zur Betreuung von Diabetikern im Landkreis Märkisch-Oderland"

Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH, Strausberg, Dotierung: 20.000 Euro

Der Behandlung von Diabetikern hat man im Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg ein besonderes Augenmerk geschenkt: Die innovative Arbeitsorganisation eines interprofessionell aufgestellten Klinik-Teams sowie der Aufbau eines Diabetes-Netzwerks in der Region wurden mit einem zweiten Platz und 20.000 Euro gewürdigt. Dabei standen auch die Einbeziehung der Wünsche des Patienten in den Behandlungsablauf, die Einrichtung einer Spezialambulanz Diabetes innerhalb der Klinik und die mit großem Engagement durchgeführte Fortbildung bzw. Wissenstransfer für alle Teammitglieder im Vordergrund. Die Jury betonte angesichts dieser Organisationsform die erfolgreiche Überwindung der Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung des Brandenburger Projekts und verwies auf den Vorbildcharakter für andere Bereiche.

Ansprechpartner: Dr. Christian Jenssen, Leiter der Abteilung Innere Medizin im Krankenhaus Märkisch-Oderland GmbH, Strausberg, Tel. 03341 52 350, E-Mail

3. Sonderpreis "Angstfreies Krankenhaus"

Krankenhaus Waldfriede, Berlin-Zehlendorf, Dotierung: 5.000 Euro

Dass jeder fünfte Patient unter starken Ängsten leidet, wenn er sich einer Operation unterziehen muss, war der Antrieb, dieses Projekt zu starten. Denn ein solch besorgniserregendes Ergebnis erbrachte eine hausinterne Umfrage des Waldfriede-Krankenhauses. Deshalb wurde ein Konzept entwickelt, das die psychosoziale Verfassung des OP-Patienten durch Maßnahmen zur Reduktion von Ängsten verbessert und eine behutsame, von mehreren Personen getragene Vorbereitung auf den Eingriff in den Klinikalltag etabliert. Dabei hat man auf die enge Zusammenarbeit von Chirurgen, Anästhesisten, Seelsorge, Psychotherapeuten, Sozialdienst und den Pflegenden geachtet. Alle Teammitglieder erhalten Kommunikationstrainings für die angemessene und empathische Überbringung schlechter gesundheitlicher Nachrichten. Mittlerweile wurde aufgrund der ermutigenden Ergebnisse aus einer temporären Arbeitsgruppe mit Projektstatus ein etabliertes Gremium. Ziel ist es die Weiterentwicklung für die Anwendung in anderen Klinikabteilungen zu ermöglichen. Spezielle Patientenbetreuer, OP-Begleiter und eine Angst-Sprechstunde gehören zum Angebotsspektrum des Zehlendorfer Krankenhauses in Berlins Süden.

Ansprechpartner: Dr. Michael Volland, Facharzt für Chirurgie im Krankenhaus Waldfrieden, Berlin-Zehlendorf, Tel. 030 8181-8537, E-Mail

Lobende Erwähnung: "Interdisziplinärer Kinderschutz in der Charité Berlin"

Charité Berlin - Universitätsmedizin

Spezielle Kinderschutzmaßnahmen in deutschen Krankenhäusern sind derzeit noch nicht verpflichtend. Die Charité hat auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle übernommen und eine Gruppe zur Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen für kleine Patienten und deren Eltern eingesetzt. Die Kinderschutzgruppe - bestehend aus Kinderärzten, Psychiatern, Psychologen, Sozialarbeitern, Pflegepersonal aller Kinderklinken der Charité - hat Handlungsanleitungen und Behandlungskonzepte erarbeitet, die zum Einsatz kommen, wenn ein Verdacht auf Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewaltanwendung bei Patienten im Kindesalter besteht. Die Gruppe kooperiert in Verdachtsfällen mit den Gesundheitsämtern der Bezirke, den Familiengerichten und dem Landeskriminalamt.

Ansprechpartnerin: Loretta Ihme, Diplom-Psychologin und Koordinatorin der Kinderschutzgruppe der Charité Berlin - Universitätsmedizin, Tel. 030 450 566 627, E-Mail

Alle ausgezeichneten Projekte erfüllen die Anforderung der Initiatoren des Preises, eine neue Kultur der Zusammenarbeit, möglichst auf Augenhöhe und mit einer Steigerung der Arbeitsplatzzufriedenheit der Klinikmitarbeiter.

Zusammenspiel als Chance - interprofessionelle Teams im Krankenhaus
G+G-Spezial zum Berliner Gesundheitspreis 2015

In diesem Jahr haben wir für den Berliner Gesundheitspreis die Innensicht der Krankenhäuser in den Fokus genommen. Wie arbeiten die Menschen, die verschiedenen Berufsgruppen und die einzelnen Abteilungen miteinander? Wie klappt das? Die eingesandten Projekte zeigen, dass zwar noch viel zu tun ist, aber dass es doch einige sehr positive Beispiele gibt, die Kommunikation innerhalb der Kliniken zu verbessern und einfach enger zusammenzuarbeiten. Dass dies gerade in einer psychiatrischen Abteilung so beispielgebend funktioniert und zunehmend Nachahmer unter den psychiatrischen Kliniken im deutschsprachigen Raum findet, hat mich besonders gefreut. Denn das ist es, was wir wollen - mit neuen erfolgreichen Projekten in die Fläche gehen und andere zum Nachmachen motivieren.

Jürgen Graalmann  Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes 

Zusammenarbeit ist das Stichwort, welches das Motto des diesjährigen Berliner Gesundheitspreises bestimmt und gleichzeitig den Geist des Preises ausdrückt. In den letzten 20 Jahren ist dieser Preis zu einer Erfolgsgeschichte für zukunftsweisende Innovationen im Gesundheitswesen gereift. 'Gemeinsame Verantwortung' und das Suchen nach Lösungen durch bessere Organisation und Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sind tragende Prinzipien dieses Preises. Dies darf durchaus auch sonst in der Gesundheitspolitik Einzug halten. Was bei den Auslobenden zum Alltag gehört, ist eine Kultur der wertschätzenden Zusammenarbeit. Dazu wollen wir in diesem Jahr mit unserem Preis die Krankenhäuser ermuntern. Wie immer scheuen wir uns nicht davor, auch unbequeme Themen anzupacken. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Dr. Günther Jonitz  Präsident der Ärztekammer Berlin 

Die preisgekrönten Projekte zeigen, dass der Innovationsgrad im Gesundheitswesen gerade in Berlin-Brandenburg groß ist. Dass bei der Jubiläumsauflage dieses bundesweiten Innovationswettbewerbs Modellprojekte aus dem Gebiet der AOK Nordost erfolgreich waren, freut uns als größte Krankenkasse der Region natürlich besonders. Die Gewinnerprojekte beweisen anschaulich, dass es auch in einem durchgetakteten Klinik-Alltag gelingen kann, einerseits den Patienten und seine Bedürfnisse stärker in den Fokus zu rücken und andererseits auch die interprofessionelle Zusammenarbeit zu verbessern. Wir sind der Meinung, dass hier interessante Vorbilder für andere Krankenhäuser vorgestellt wurden.

Frank Michalak  Vorstandsvorsitzender der AOK Nordost 

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Die Pressemitteilung zum Download

Der "Berliner Gesundheitspreis 2015"

Titelbild Plakat Berliner Gesundheitspreis 2015

Das Motto des zehnten Berliner Gesundheitspreises lautet "Zusammenspiel als Chance - interprofessionelle Teams im Krankenhaus". Gesucht wurden innovative Konzepte und praxiserprobte Projekte, die zu einer besseren Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen im Krankenhaus beitragen. 

Auf Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, kommen ständig neue Herausforderungen zu. Medizinischer und technischer Fortschritt, wirtschaftliche Aspekte, aber auch die demografische Entwicklung stellen veränderte Anforderungen an die Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen. Eine multiprofessionelle Zusammenarbeit wird deshalb immer wichtiger. Unterschiedliche Fachdisziplinen und Berufsgruppen müssen gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten, sich vernetzen und neue Kommunikationsmittel nutzen. Im Vordergrund stehen dabei die Sicherheit der Patienten und die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung.

Hinzu kommt, dass sich mit dem demografischen Wandel auch der Druck auf die Krankenhäuser erhöht, attraktive Arbeitsbedingungen für gut ausgebildete Fachkräfte zu schaffen. Der Arzt muss sich auch in seiner berufsrechtlichen Verantwortung mehr denn je darauf verlassen können, dass das Hand-in-Hand-Gehen aller am Versorgungsprozess Beteiligten gewährleistet ist.

Bewerben konnten sich zum Beispiel:

Krankenhausleitungen, Qualitätsbeauftragte, Koordinatoren der Krankenhausversorgung, Versorgungsteams aus Krankenhäusern, Wissenschaftliche Einrichtungen, Universitäten sowie Fach- und Hochschulen.

Die Bewerbungsfrist ist am 30. November 2014 abgelaufen. Die Preisträger wurden am 17. Juni 2015 bekanntgegeben.

Die Ziele und deren Umsetzung sind verständlich, nachvollziehbar und aussagekräftig beschrieben.

Die interprofessionelle Versorgung im Team wird im fachlichen und organisatorischen Kontext beschrieben, einschließlich der Darstellung von Informations- und Kommunikationswegen.

Die Patientenperspektive wird einbezogen.

Die Maßnahmen wurden bereits erfolgreich im Krankenhaus implementiert oder werden aktuell erprobt.

Kriterien zur Messung und Beurteilung der Ergebnisse wurden entwickelt.

Die wissenschaftliche Güte der erprobten oder implementierten Konzepte wird dargestellt (theoretische Fundierung, Qualität der Umsetzung, Prozess- und Ergebnisevaluation).

Relevanz für die Praxis ist vorhanden - die Maßnahmen können auf andere Einrichtungen übertragen werden.

Eine Vernetzung mit Akteuren außerhalb des Krankenhauses ist gegeben.

Die Entscheidung über die Preisträger trifft eine unabhängige Jury. Es werden Preise im Gesamtvolumen von 50.000 Euro vergeben. Für den ersten Preis 25.000 Euro, den zweiten Preis 15.000 Euro und den dritten Preis 10.000 Euro. Die Jury kann eine andere Aufteilung des Preisvolumens vornehmen. Gegen Entscheidungen der Initiatoren und der Jury ist der Rechtsweg ausgeschlossen.

Georg Baum (Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft)

Prof. Dr. Axel Ekkernkamp (Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin, Professor für Unfallchirurgie, Universitätsmedizin Greifswald)

Hedwig François-Kettner (Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit)

Dr. Günther Jonitz (Präsident der Ärztekammer Berlin)

Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey (Prodekanin für Studium und Lehre, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft Charité - Universitätsmedizin Berlin)

Karl-Josef Laumann (Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege)

Cornelia Prüfer-Storcks (Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz der Freien und Hansestadt Hamburg)

Lothar Riebsamen, MdB (CDU/CSU, Mitglied des Ausschusses für Gesundheit)

Alexander Schirp (Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK Nordost - Die Gesundheitskasse)

Fritz Schösser (Vorsitzender des Aufsichtsrates des AOK-Bundesverbandes​)

Geschäftsstelle "Berliner Gesundheitspreis"
c/o AOK-Bundesverband,
Rosenthaler Straße 31, 10178 Berlin
E-Mail: berliner.gesundheitspreis@bv.aok.de

Aus-, Fort- und Weiterbildung müssen dafür Sorge tragen, dass die Zusammenarbeit mit Leben gefüllt wird. Das setzt voraus, dass Klinikleitung und Führungskräfte diese Prozesse fördern. Der Erfolg der Behandlung hängt auch zu einem erheblichen Anteil von einem reibungslosen Austausch mit Einrichtungen außerhalb des Krankenhauses ab. Schon die Qualität der Einweisung der Patienten trägt entscheidend zu einer besseren Vorbereitung der Versorgung bei. Und ein gutes Entlassungsmanagement ermöglicht eine lückenlose Weiterversorgung, die für den Gesamterfolg der Behandlung wichtig ist.

Was die Initiatoren mit dem Wettbewerb fördern und erreichen wollen, ist eine neue Kultur der Zusammenarbeit, idealerweise auf Augenhöhe, die auch Freude macht und Garant für ein gutes Betriebsklima ist. Dort, wo sich Kollegen im Krankenhaus gegenseitig entlasten, bleibt mehr Zeit für den Patienten.

Logo: Berliner Gesundheitspreis 2015

Der Berliner Gesundheitspreis wurde vom AOK-Bundesverband, der Ärztekammer Berlin und der AOK Nordost gestiftet und 1995 erstmals vergeben. Seither zeichnen die Veranstalter in einem Turnus von zwei Jahren besondere Projekte aus dem Gesundheitswesen aus. Der Preis wurde 2015 zum zehnten Mal verliehen. Die Preisträger werden durch eine Jury ausgewählt, ihr gehören Mitglieder aus Politik, Wissenschaft und medizinischer Praxis an.
 

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