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Hilfe für Helfer – Projekte für pflegende Angehörige ausgezeichnet

Berliner Gesundheitspreis 2010/11

Foto: Preisträger 2010/11

(15.02.11) Der mit 50.000 Euro dotierte "Berliner Gesundheitspreis 2010" ist am Montagabend (14. Februar) an Projekte verliehen worden, die pflegende Angehörige unterstützen. Der diesjährige Preis stand unter dem Motto "Auch Helfer brauchen Hilfe". Jeweils ein erster Platz und damit ein Preisgeld in Höhe von je 20.000 Euro gingen an die Berliner Organisation "Pflege in Not" und an das Münchener Kontaktnetzwerk "allfa beta". Ein Preisgeld von weiteren 10.000 Euro erhielt die Bürgerinitiative Stendal, die auf den zweiten Platz gewählt wurde. Neben Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler nahmen rund 300 Gäste im Atrium des AOK-Bundesverbandes in Berlin teil.

Einen von zwei ersten Plätzen belegte "Pflege in Not". Die Berliner Initiative wurde im Jahr 2000 gegründet und ist Anlaufstelle für Menschen, die im Rahmen der Pflege in Konflikt- oder Gewaltsituationen geraten sind. Ebenfalls ganz oben auf dem Podest landete das Team von "allfa beta". Das Münchener Projekt engagiert sich seit 2007 für allein erziehende Mütter mit behinderten Kindern. Für die ehrenamtliche Betreuung von hilfs- und pflegebedürftigen Senioren wurde die im Jahr 2004 gegründete Bürgerinitiative Stendal mit einem zweiten Platz prämiert.

Bei der Auswahl der Preisträger entschied sich die Jury bewusst für Projekte, die auch auf andere Regionen übertragbar und besonders nachhaltig sind. Die Verantwortlichen von "Pflege in Not" erhielten ihren Preis aus den Händen von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler. In seiner Laudatio würdigte Rösler das Engagement der Berliner Organisation und betonte dabei die Bedeutung von ehrenamtlichen Helfern und gut funktionierenden Netzwerken für die Gesellschaft.

Plakat: Berliner Gesundheitspreis 2010/11

Das Team von "allfa beta" erhielt den ersten Preis für den Einsatz für allein erziehende Mütter mit behinderten Kindern. Das Kontaktnetzwerk aus München bringt Frauen mit ähnlichen Lebenssituationen zusammen und beugt damit auch drohender Isolation vor. "Angehörige und Kinder alleine pflegen zu müssen, kann jeden von uns schnell an seine Grenzen bringen. Deshalb brauchen wir Initiativen wie ‚allfa beta’ zur Unterstützung derjenigen, die diese Verantwortung schultern", betonte Josef Hecken, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, in seiner Rede.

Die Bürgerinitiative Stendal wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. In seiner Laudatio lobte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, das ehrenamtliche Engagement in Stendal und forderte indirekt auch die Ausweitung der Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige. "Mit Geld allein werden wir die Situation nicht lösen. Wir brauchen viele solcher engagierter Plattformen, um ein würdiges Altern zu organisieren, ohne die junge Generation zu überfordern." Die Bürgerinitiative kümmert sich in einer eigenen Tagesstätte um Senioren der Stadt oder betreut sie zu Hause.

Der Berliner Gesundheitspreis ist ein bundesweiter Ideenwettbewerb des AOK-Bundesverbandes, der Ärztekammer Berlin und der AOK Nordost - die Gesundheitskasse. Der Wettbewerb widmet sich jeweils einem ausgewählten Thema, das eine besondere Bedeutung für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hat. Gesucht werden innovative, praxiserprobte Projekte, Modelle oder zukunftsweisende Versorgungskonzepte, die zur Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beitragen können. 

Die Entscheidung über die Preisträger trifft eine unabhängige Jury. Es werden Preise im Gesamtvolumen von 50.000 Euro vergeben: Für den ersten Preis 25.000 Euro, den zweiten Preis 15.000 Euro und für den dritten Preis 10.000 Euro. Gegen Entscheidungen der Veranstalter und der Jury ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Mitarbeiter der Veranstalter sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

  • Dr. Hannelie Döhner
    Leiterin des Arbeitsschwerpunktes Sozialgerontologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Rosemarie Drenhaus-Wagner
    Erste Vorsitzende der Alzheimer-Angehörigen-Initiative e.V., Berlin
  • Dr. Volker Hansen
    Verwaltungsratsmitglied der AOK Nordost
  • Dr. med. Günther Jonitz
    Präsident der Ärztekammer Berlin
  • Susanne Kahl-Passoth
    Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg - schlesische Oberlausitz e.V.
  • Prof. Dr. Adelheid Kulmey
    Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie am Zentrum für Human- und Gesundheitswissenschaften der Berliner Hochschulmedizin
  • Hilde Mattheis
    Mitglied des Deutschen Bundestages und pflegepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion
  • Fritz Schösser
    Alternierender Aufsichtsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes
  • Wolfgang Zöller
    Mitglied des Deutschen Bundestages und Patientenbeauftragter der Bundesregierung
  • Willi Zylajew
    Mitglied des Deutschen Bundestages und pflegepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Um die diesjährige Auszeichnung bewarben sich bundesweit insgesamt 81 Projekte. 17 davon kamen in die engere Auswahl. Initiatoren des Berliner Gesundheitspreises sind die Ärztekammer Berlin, der AOK-Bundesverband und die AOK Nordost - Die Gesundheitskasse. Seit 1995 zeichnen die Veranstalter damit besondere Projekte aus dem Gesundheitswesen aus. Der Preis wurde in diesem Jahr zum achten Mal vergeben. Der Jury gehören elf Mitglieder aus den Bereichen Politik, Wissenschaft und Praxis an.

Nach wie vor kümmern sich in Deutschland vor allem Familienmitglieder um pflegebedürftige Angehörige. Ohne diese pflegenden Verwandten, Nachbarn und Freunde kann eine am Bedarf orientierte häusliche Pflege auch künftig kaum sichergestellt werden. Aber auch die Helfer brauchen mitunter Hilfe. Deshalb sucht der Berliner Gesundheitspreis, den der AOK-Bundesverband, die AOK Nordost und die Ärztekammer Berlin gemeinsam vergeben, bundesweit nach innovativen Projekten. Den mit 50.000 Euro dotierten Berliner Gesundheitspreis gibt es seit 1995.

Die Auswirkungen der Pflege auf die Situation der helfenden Angehörigen können erheblich sein und sich in nachhaltigen  Beeinträchtigungen von Gesundheit und Lebensqualität, sozialer Isolation, familiären Konflikten und finanziellen Problemen niederschlagen. Hinzu kommen weitere Faktoren wie fehlende Informationen über entlastende und unterstützende Dienste, die Tendenz zur Selbstüberforderung, das Problem von Gewalt in der häuslichen Pflege sowie eine mangelnde Wahrnehmung der Situation pflegender Angehöriger durch Politik und Öffentlichkeit. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass pflegende Angehörige einen großen Veränderungsbedarf sehen und sich vor allem einen Abbau bürokratischer Hürden, mehr Freizeit und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wünschen.


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